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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 57

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 57 (sequence 60)
Language
German
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57 fallen zu lassen, die Idee gab, die übrigen ibm beizutreten bewog, und für sich und seine Freunde allein, einhundert und zehntausend Mark zeichnete. — Dies tat Popert [vgl. Portugiesengr.], ein Mann, dessen Namen nur genannt werden darf, um an den Börsen Europens, auf allen Handlungsplätzen, und in allen Comtoiren — Respekt zu gebieten. Popert war von dieser Massregel der Urheber — nicht Teilnehmer allein! . . . Dem Popert — so versichert man — wurde von einigen Kaufleuten für seine Teilnahme an der Dornersehen Angelegenheit gedankt [vgl. Portugiesengr. S. 33]. Er, edler Handlungen gewohnt, anstatt sich darauf etwas zu gute zu tun, antwortete scherzend: Wozu Complimente — da mir doch an euren öffentlichen Versammlungsorten für Bezahlung auch keine Tasse Thee darf gereicht werden1)“. [John Parish, der Begründer des Hamburger Welthauses gleichen Namens, kommt 1783, völlig in die Hand des ״höchst achtbaren Juden Wolf Lewin P opert“ gegeben, in äusserster Verzweiflung zu seinem ״furchtbaren Gläubiger“. Er berichtet darüber (Deutsche Rundschau 1903 Apr., S. 63): ״Ich traf ihn im Schlafrocke, mitten zwischen Geldsäcken, die für den Postwagen verpackt wurden. Welch ein reicher, glücklicher Mann! dachte ich. — ״Ich möchte Sie allein sprechen“. Er ging mit mir in den nächsten Raum. Offenbar sah ich jämmerlich aus: ״Was ist los, Herr Parish? Geht es Ihnen nicht gut?“ — ״Sehr schlecht, Herr!“ — ״Das tut mir leid“. — ״Sie haben heute eine grosse Forderung an mich“. — ״Was gibt es dabei zu sagen?“ — ״Ich kann den Betrag heute nicht abschreiben (= zahlen)“. — ,,Das hat nichts auf der Welt zu bedeuten; machen Sie von den elf Respekttagen Gebrauch; hier ist meine Hand: Keine Seele soll davon erfahren; das Vertrauen an der Börse kehrt schon zurück; bald wird sich auch wieder Nachfrage nach Wechseln einstellen. Leider habe ich gerade selbst keine Verwendung für Wechsel auf London; sonst würde ich Ihnen Ihre Tratten abnehmen“. — ״Können Sie nichts auf Holland brauchen?“ — ״Jawohl, 30000 Gulden“. — ״Passen Ihnen diese Wechsel? Sie sind alle acceptiert“. — Dabei legte ich meine 100000 Gulden vor ihn hin. — ״Sie sind so gut wie Bankzahlung; wenn Ihnen darum zu tun ist, will ich das Ganze nehmen und Ihnen den Ueberschuss heute abschreiben“. — Das Geschäft war erledigt. Mein Herz wollte mir schier vor Freude springen; ich hätte den alten Mann küssen mögen, und solange Atem in mir ist, wird sein Andenken mir teuer sein . . Nur ein zufälliger Umstand rettet dich . ., die Tatsache nämlich, . . dass dieser Jude sich als etwas erweist, was du damals am wenigsten erwarten konntest, als dein Freund! — Das ist alles buchstäblich wahr wie das Evangelium“.] ״. . . Selbst der wohlhabende, durch die ansehnlichsten Geschäfte und persönlichen Charakter geachtete jüdische Kaufmann darf nicht in jedem Revier der Stadt wohnen, wo er Raum findet. Er darf keine Profession oder bürgerliehe Gewerbe treiben, ist bloss zum Handeln verurteilt, unter wirklich nachtheiligen Einschränkungen; denn er darf keinen offenen Laden halten, muss abwarten, bis Käufer, von keinem ankündigenden Zeichen eingeladen, ihn mühsam aufsuchen, bloss angelockt durch wohlfeilere Preise, worin er gezwungen ist, es christlichen Kaufleuten zuvor zu tun, sich mit minderen Vorteilen zu begnügen, wenn er Absatz haben will. Wer von beiden ist da der Betrüger? Der Jude, der genöthigt ist, unter den Ladenpreis zu verkaufen? oder der Christ, der sich’s zum Gesetz gemacht hat, dem Juden nur den halben Wert zu geben, indem er weiss, dass er im christlichen Kaufmannsladen das Doppelte bezahlen müsse? Der Jude darf auch nicht in Privathäusern seine Waren feil bieten, ohne dass Jagd auf ihn gemacht, und sein Gut ihm weggenommen wird. Das dürfen zwar christliche unzünftige Handelsleute auch nicht; aber diese können sich ins Amt aufuehmen lassen, und das können die Juden nicht, weil sie nicht ב) Vgl. Isler, G. Riessers Leben I 156.

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