Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Etablissement der Börsenhalle schliesst die Juden aus. Christliche Makler weigern sich, trotz der Bemühungen der Obrigkeit, mit jüdischen zugleich Auktion zu halten. In Altona (1804 III. Bd. S. 159) steuerten neulich die Juden freiwillig zur Unterhaltung christlicher Armen bei. (Jahrg. 1805 Bd. I, S. 141 bringt ״die Statuten der neuen Beerdigungsanstalt der jüdischen Nation in Hamburg, deren Gründung gegen die frühzeitige Beerdigung gerichtet war.) 1805 III. Bd. S. 349 enthält eine Kritik eines Gurlitt’sehen Vortrages unter dem Titel: ״Auch etwas über das Bürgerrecht der Juden, von einem Unparteiischen der Altonaer Judengemeine.“ Im Ganzen herrscht hier doch ein anderer Ton, als etwa in der Zeitschrift ״Der Patriot“, Hamburg 1733 fg., wo die Juden Blut־ egel und Verführer junger Leute tituliert werden (s. Jahrgang I und III, Register). Die Schilderung ״Portugiesengräber“ S. 32ff. wird wesentlieh ergänzt durch ״Die Ehre Hamburgischer Staats-Bürger ohneUnter־ schied der Nationen nebst einem Anhänge: Herr D. Niemann gegen die Juden. Zweite Beilage zur Stimme der Menschheit etc. von Cranz, Altona 1798“. Hier heisst es: ״Um den hochgestiegenen Flor der Handlung haben die Juden kein geringes Verdienst; sie sind’s, welche ursprünglich und bis diese Stunde die eigentlichen Wechsel- und Bankier-Geschäfte in Aufnahme gebracht haben, und in ihrem Gange erhalten. Sie entziehen sich keinen Bürger-Lasten und keinen Bürger-Pflichten, die ihnen auszuüben verstattet werden. Ehedem haben sie persönlich den Dienst der Bürgerwachen mit verrichtet, bis, ahne sich dieser Ehre unwehrt gemacht zu haben, sie davon ausgeschlossen, bloss verpflichtet wurden, den Wachtdienst zu bezahlen. Dennoch bei dem letzten Handwerksburschen-Aufruhr erboten sich freiwillig edle Männer aus dieser Gemeinde, mit das Gewehr zu ergreifen, um die unterbrochene Ruhe wieder herstellen zu helfen, und es ist Thatsache, dass ein christlicher Bürger-Kapitän, ob er wohl dieses Anerbieten abgelehnt hatte, dennoch von einem angesehenen, zur jüdischen Gemeinde gehörigen Manne ein bedeutendes Geldgeschenk, ein Röllchen Dukaten, erhielt, um dadurch der Kompagnie seines Reviers für ihre dem Staat geleisteten Dienste zu danken. Juden blieben nicht zurück, als die sonst zu schmale Promenade an der Alster, zur wahren Verschönerung der Stadt, nicht aus dem gemeinen Aerario, sondern aus freiwilligen Beiträgen hamburgischer Patrioten erweitert wurde, und Juden nahmen Aktien, um den Fonds zu stände zu bringen, aus weichem die Bade-Anstalt in dem offenen Bassin angelegt wurde, deren für bestimmte Preise sich jeder auch Nichtaktionär bedienen kann — nur keine Juden, die nicht auch Aktionärs sind. Es gereicht den jüdischen Einwohnern, die als solche, und durch ihre diesem kommerzialen Platz nützliche Handlungs-Geschäfte wirkliche Glieder des Staates sind, zur Ehre, dass sie an allen guten Stiftungen aktiven Theil nehmen, selbst zu den christlichen Armenanstalten beitragen — obgleich Christen zur Versorgung jüdischer Armen nichts geben, diese der Gemeinde allein überlassen bleiben. Heber das alles ist es merkwürdig, das in dem oben erwähnten, das Dornersehe Comtoir betreffenden Fall es ein Jude war, der zu jener, wahre Staatsbürger Ehre charakterisierenden Massregel, ein angesehenes Haus nicht