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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 35

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 35 (sequence 38)
Language
German
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35 saget: Ja! last die Juden noch ein Wochen oder 3 Friede haben, sie sollen doch hernach noch ihr Theil kriegen; denn sie wären Schinder der Hamburger Schiffer u. Verrähter an die Algiers“. In der That standen die Hamburger Juden mit denen in Algier in Verbindung, aber gerade zu dem Zweck, um Hamburgern, welche in algerische Gefangenschaft geraten waren, die Auslösung zu ermöglichen (Grunwald, Juden als Rheder und Seefahrer S. 7 f.). Von Drohungen gegen die Juden berichtet auch ein ״Grenadier unter Capit. Anckelmanns Compagnie: Wie Zeuge gestern Abend ohn ferne dem Neuen Michaelis, dem Tumult zu steuren, commandiret ־worden, u. daselbst mit seiner Lantze Posten gefasset. hätten einige der da herumbstehenden Leute unter sich geredet, es wäre nun heute Abend verstöhret. u. nichts draus geworden; sie wollten es schon auf einen andern Abend einmahl kriegen; u. ferner: den ersten Juden, den sie anträfen, wollten sie zu nichte schlagen.“ Ferner meldet Johann Nibbe, 41 Jahre alt, Nachtwächter: Er hätte an der Mühlen- Strassen Ecke seinen Posten gehabt, da auch einige unter dem daselbst stehenden Haufen gesaget, welchen er durchzupassiren nicht verstatten wollen: es ist schon gut, dass ihr heute nicht durchlassen wollet; Schweigt nur stille, wir wollen unseren Schaden (Schaarte) schon ausüben; es kommt wohl Morgen Abend.“ Natürlich werden auch Juden als Zeugen vernommen. So berichtet ״Judith Nathans, Samson Nathans Eheliche Frau, 34 Jahre alt, dass sie den Dingstag Abend zwischen 8 u. 9 Uhr etwa, da sie in ihrer Stube nach der Gassen zu in der kleinen Elb-Strasse am Fenster gesessen, gehöret, dass ein Junge von unserer Religion gesaget: Er wollte Lärmen machen; Sie hätte aber weder den Jungen gesehen, noch auch, ob er mehre bey sich gehabt, oder was er damit sagen wollen, weil sie sich nicht einmahl die Mühe gegeben, das Fenster deswegen aufzumachen.“ Und nun wird gegen die am Aufruhr Beteiligten nach der Strenge des Gesetzes vorgegangen. Man lässt ״auf vorgängige Eydlich bestarckte Zeugen Aussagen den Wirth im Einhorn wegen seines ausgeübten Frevels gegen die Wache, beym Kopf nehmen und allenfalls aus seinem Hause hohlen4‘. Am 13. Sept. wird beschlossen, ״Hinrich Stapelfeldt, praestita urpheda seines Arrestes zu entschlagen, Jürgen Holst nebst ernstlicher Bedeutung, hinführo bey Vermeidung schwehrerer Ahndung die Wache gebührend zu respeetiren, mit einer Geld-Busse von 10 Rthlr. zu bestrafen, Gerhard Schmidt, Frantz Joachim Kummick u. Johann Husmann auf einige Tage nach der Roggen-Kiste bey Wasser u. Brodt setzen zu lassen, u. demnächst praestita urpheda zu dimittiren, mit dem Juden Samuel Joseph aber nach Gutfinden zu verfahren“. Eine hebräische Monographie über den Tumult, welcher später in dem jüdisch-deutschen Scheerit Jisrael, Dvhrenf. 1755 S. 55 f., (auch bei G. J. Pollak, Scheerith Jisrael. Amst. 1855) hiernach dargestellt wird, verdanken wir einem Augenzeugen Salomon Salman aus Dessau, welcher darin 1734 zu Amsterdam seine Hamburger Erlebnisse schildert. Er nennt sein Schriftchen, von dessen Erlös er sich einen reichen Beitrag zur Mitgift seiner Tochter verspricht, Oz mibtecha, nach Spr. Sal. 21, 22. Der Verfasser 3*

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