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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 36

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 36 (sequence 39)
Language
German
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36 gedenkt in den rühmendsten Ausdrücken der Gerechtigkeit des Hamburger Senates. ״Wie eine Mauer von Eisen standen die hohen Herren zu unserem Schutz und Heil.“ Nach allen diesen Quellen hatte der ganze Tumult etwa vier Tage, vom 24. bis 27. August, gewährt. Eine betrunkene Frauensperson, welche Juden verhöhnt haben sollten, und eine Tracht Prügel, welche ein Jude für Anrempelung seines Schützlings einem Strassenbuben verabreichte, wobei dem letzteren ein Milchtopf aus der Hand fiel und in Stücke ging — daher der Name ״Gezerat HengelpÖttche“ —, gaben den Anlass. Der Jude, vielleicht eben der Samuel Joseph, mit dem ״nach Gutdünken verfahren“ wird, holte jenen Bengel, als auf dessen Geschrei vor seiner Thür eine Masse Volkes zusammenlief, in sein Haus hinein und versprach ihm den doppelten Preis für Topf und Milch, wenn er ihm den Anstifter des Auflaufs nennen wolle. Der Junge fing sogleich an — so hatte man’s ihm vorgesagt —, Spektakel zu machen, der Jude wolle ihn schlachten. Und obgleich er unverzüglich hinausgelassen wurde, war damit doch das Signal zum allgemeinen Angriff auf die Judenhäuser gegeben. Die jüdische Gemeindeverwaltung bemühte sich redlich, die Behörde in der Durchführung ihrer Massregeln zu unterstützen. Wie aus den Proklamationen (im Hamb. Gem.-Arch.) zu ersehen, verlas man am Sabbat in allen Synagogen eine Ermahnung, sich möglichst wenig auf der Strasse blicken zu lassen, des Abends die Fensterläden zu schliessen, nicht mit einem Stock auszugehen, geschweige denn damit die Börse zu besuchen. Das Bürgermilitär äusserte seinen Unwillen, der Juden wegen die Arbeit versäumen zu müssen, indem es den Belagerungszustand den Juden gegenüber mit übertriebener Strenge geltend machte. Ein jüdischer Schullehrer, der wie gewohnt, am Sabbat Morgen in aller Frühe zur Andacht gehen will, wird von einem Posten misshandelt. Eine Dienstmagd, welche die ״Schabbeskugel“ vom Bäcker holt, wird entkleidet und verhöhnt. Die Offiziere geben, wie wir sehen, kein rühmliches Beispiel. In solchem Schutz konnten sich die Juden natürlich nicht sicher fühlen. Sie flüchteten noch Sonnabend Abend durch das allein offen gelassene Dammthor nach Altona oder über die Alster nach den benachbarten Dörfern, deren Schulzen sie sich befreundet wussten. Die Zurückbleibenden suchten Schutz in ihren Wohnungen, an ihren Andachtsstätten oder bei befreundeten christliehen Nachbarn. Der Strassenpobel verlief sich am Sonntag sehr rasch, als er sich seines wichtigsten Kontingentes, der ״Bootsleute“, beraubt sah, welche von ihren Kapitänen an Bord beordert worden waren.

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