Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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33 neben seinen Knaben stehende, aus vollen Kräften mit einer Peitsche ge- Matscht; worauf ein Jude, welcher aufm Dreckwalle wohnte, dem Knaben seine Peitsche in Stücken gebrochen, u. ihn Weggehen heissen. Vor 2 ä 3 Jahren hätten ihm auch einige Juden aufm Dreckwalle nachgespien, welches der Herr Lt. Schenck mit angesehen, u. ihm nach der Hand selber erzehlet hätte. Sonsten wäre es was sehr gewöhnliches, dass wann in dem Gesänge im vorbeysingen durch Juden-Gassen der Nähme Jesus vorkähme, sie allemahl auszuspeien pflegten. Mehrer Exempel erinnerte er sich nicht, sollten ihm aber andere beyfallen, wollte er sie anzeigen.“ Der wahre Grund der Gehässigkeit lag allerdings, wie überall, so auch hier auf wirtschaftlichem Gebiete. Die Öberalten erklären offen, dass ihnen die Konkurrenz der Juden zuwider sei. ״Sie können unvorgestellet nicht lassen wie das alle gegen die Juden geäuserte Animosität, hauptsächlich daher komme, dass dieselbe durch ihr ungescheutes u. täglich zunehmendes Hausiren, wie aller Handel u. Wandel überhaupt, also insonderheit, das viele Jahren her hiilflos gelassene Kramer- Ampt, fast gäntzlich ruiniren, dadurch aber, u. dass Sie die Anzahl ihrer Synagogen u. Schulen ungescheut u. eigenmächtig vermehret, so insolent gegen die Christen werden, dass wo dieser Gewinnsüchtigen Leute Muht will nicht eingeschräncket, u. überhaupt, ihr Hausiren nicht abgeschaffet wird, noch grösser Unglück, welches jedoch Gott gnädig verhüten wolle, nicht ohne Grund zu besorgen. “ Der Vorwurf, der hier nebenbei gegen die Juden erhoben wird, dass sie ohne Befugnis ihre Andachtsstätten vermehrten, weist auf eine zweite Ursache des Aufstandes hin• gehässige Auslassungen in den Predigten besonders glaubenseifriger Geistlichen. Bei einem besonderen Anlass befiehlt die Behörde sogleich, ״Ehrw. Schubart vorzufodern und über den Grund der in seiner Predigt über die Jüdische Nation angeführte special* Beschwerde zu vernehmen, auch über dessen gehaltene Predigt einiges Zeugniss auf zu nehmen,“ Man versäumt auch nicht, noch am selben Tage ״Dem Wollweisen Kirchspiels-Herren zu S. Michaelis dem Hn. Seniori E. Ehrw. Ministern vorzustellen: Es würde, wie E. E. Raht u. gesummten dieser guten Stadt Bürgern u. Einwohnern, also nicht weniger E. Ehrw. Ministerio der gefährliche Zustand zu Hertzen gegangen seyn, worinnen unsere hebe Vater-Stadt durch die seit einigen Tagen, insonderheit gestern u. heute darin entstandene Unruhe, Bewegung u. Auflauf des gemeinen Pöbels gesetzet worden, u. in welchem sie sich annoch diese Stunde u. zwar mit desto grösserer Besorglichkeit befinde, als solcher Tumult, aller dagegen vorgekehrten mühesamen Anstallten ungeachtet, bisshero mehr zu, denn abgenommen u. vielleicht noch weit schlimmer u. allgemeiner werden könnte. E. E. Raht lasse Ministerium nach seiner Gott, u. dieser guten Stadt schuldigen Pflicht überlegen, was dergleichen Unruhe für böse Folgen nach sich ziehen, u. ob nicht das Gewissen demjenigen, welcher sich etwa einer Veranlassung hiebey schuldig gemacht, allen Aufruhr, Mord u. Blut-Vergiessen zur Last legen müsse, die nohtwendig daraus entstanden seyn würde, falls die unendliche Güte u. Erbarmung Gottes nicht noch biss jetzo seine Hand über uns gehalten u. durch die von Ihm gesegnete Verfügungen E. E. Rahts dem Uebel einiger massen gesteuert hätte? Alldieweil aber zu befürchten, dass die unter dem gemeinen Pöbel gehende Reden fast nicht zweifeln lassen, dass dasselbe seinen Zweck durch Plünderung