Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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19 quisition nicht übereilen mögte“. Es wird daraufhin ״ein Ausstand gegeben“ und ״dasjenige, worauf die Inquisition anzustellen, vorhero zu Rechte zu bringen“ anbefohlen. Die Steuerkraft der Gemeinde. So zeigen sich unheilverkündend schon am Morgen des neuen Jahrhunderts die Wetterwolken, welche in seinem Verlauf so oft und immer verhängnisvoller sich entleeren sollten. Bald ist es das Feilschen um den Schoss, bald die Einschränkung des kommerziellen, bald die Fesselung des religiösen Lebens, was den Hamburger Juden das Dasein erschwert. Auch Katastrophen, wie die Pestepidemien1) und der das ganze Gemeindeleben zerrüttende Amulettenstreit, sind ihnen nicht erspart geblieben. Durch den Art. 14 des Judenreglements von 1710 waren den Juden nur die ,,Onera der anderen Bürger“ zugemutet worden, nachdem die häufigen ausserordentlichen Abgaben die Reichsten verscheucht hatten. Während die Portugiesen, wie jeder andere Fremde einzeln mit der Wette akkordierten, thaten dies die Hochdeutschen in corpore auf Jahre hinaus. Kaum ist die Vereinbarung über die Abgaben von 1700 abgelaufen, als sie sich bei Erneuerung des Kontraktes auf 6 Jahre zu 6000 Mk. jährlicher Steuer verpflichten und eine einmalige Zahlung von 15000 Mk. leisten müssen (St. Arch.). Mireles, Pintschow und R. Elia aus Lublin bestimmen am 27. Cheschwan, dass die einzelnen Haushaltungen von den ersten 500 Thalern 1/3, von den weiteren y4, den ferneren 1/4, den vierten 1/5 entrichten; die Rentiers (banale ha־sekumöt) ergänzen den Rest. 1712 zahlt die Gemeinde den Schoss ״mit den 4 % auf 12000 Mk.“, 1713 ״mit 2/4 % auf 18000 Mk.“, wovon sie ״wegen der schlechten Zeiten und Kriegsläufte״ der Kämmerei 6000 Mk. schuldig bleibt. Die einmalige Zahlung der 30000 Mk. i. J. 1697 hat die Gemeinde ruiniert, die Reichen wollen wegziehen, der Handel in der Stadt sei schlecht, sie müssten es auswärts mit Juwelen und Wechseln versuchen. Deshalb erklären sie, nachdem sie noch während der stillschweigenden zweijährigen Verlängerung der letzten Kontrakte die 6000 Mk. gezahlt haben, für die folgenden zwei Jahre nur *) St.-Arch. CI. VII Lb Nr. 18 Vol. 1 k: Aug. 1711 werden die Juden getadelt, dass sie ״wegen Contagions Angst“ wegziehen u. so ״die Stadt in bläme bringen״. Die Portugiesen hatten nämlich gelegentlich betont, dass von ihnen keiner, von den deutschen Juden hingegen viele nach Grlüekstadt u. s. w. sich geflüchtet hätten. Berend Salomon erwidert der Behörde, man habe in den Synagogen ausdrücklich davor gewarnt. 2*