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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 16

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 16 (sequence 19)
Language
German
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16 es bei den Eheleuten fest: der und kein anderer hat jenen Juden ermordet. Tags darauf, es war gerade Sabbat, als Heckscher aus der Synagoge kommt, wird er auf dem Ellernsteinweg von der Frau des Liebmann Osterode angerufen. Sie lässt sich von ihm den ganzen Hergang seines Erlebnisses erzählen. Diese Frau kannte jene Wirtsleute, und seitdem sich die Schreckenskunde verbreitet hat, lässt es ihr keine Ruhe, sie beobachtet, ohne auf das Schelten ihres Mannes zu achten, der sie eine Närrin über die andere nennt, genau jeden Passanten. Denn wer nach Altona hinaus wollte, musste an ihrem Haus vorüber. Heckscher hatte sie eben erst verlassen, da sieht sie jene Wirtsleute mit einem Knecht, der eine grosse Kiste auf einem Karren fährt, in der Richtung nach Altona vorüberkommen. Flugs eilt sie ihnen nach bis an den Altonaer Hafen*, das saubere Paar hatte offenbar die Absicht, nach Harburg überzusetzen, wo sie sicher und geborgen gewesen wären. Ihre Verfolgerin hatte aber sogleich die Altonaer Juden alarmiert, und als die Bosewichter sich beobachtet sahen, suchten sie auf der Strasse nach Hamburg zu entkommen. Allein ein paar beherzte Juden ergriffen sie und brachten sie vor den Altonaer Oberpräsidenten. Der nahm die Verdächtigten in genaues Verhör, zumal auch Heckscher sich inzwischen mit seinem Zeugnis eingestellt hatte. Doch das Paar leugnete hartnäckig, und in der verdächtigen Kiste fand sich statt des erwarteten Leichnams nur harmloses Zeug. Die Sachlage wurde recht kritisch; denn der Wirt stammte aus einer angesehenen Hamburger Familie, und der Hamburger Strassenpöbel, dem gegenüber der Senat selbst, als man ihm den Vorgang meldete, die Sicherheit der Juden nicht verbürgen konnte, wäre ohne Erbarmen über sie hergefallen, wenn ihr Verdacht sich nicht bestätigt hätte. Da fand die Frau des verschwundenen Ahron Mose den rettenden Ausweg. Sie lief in das verrufene Wirtshaus und fand die Magd vor, der sie auf gut Platt erzählte, man habe in Altona ihre Herrschaft festgenommen, und dabei sei es doch der Fremde gewesen, der den Juden umgebracht. ״Freilich“, meinte die Magd, ״ist es der Fremde gewesen“. Die Magd eilte denn auch mit der Jüdin zum Oberpräsidenten, um durch ihr Zeugnis die Herrschaft zu entlasten. Nun wurde es nicht schwer, den Wirt zum Geständnis zu bewegen, da die Magd genau auch angegeben hatte, wo der Ermordete vergraben worden. Der Senat, der übrigens täglich unter Trommelschlag eine Belohnung von 100 Dukaten und Zusicherung strengster V erschwiegenheit für die Angabe des Mörders hatte verheissen lassen, schickte auch sogleich Beamte und eine Abteilung Soldaten an den Thatort, und man fand die Leiche an der bezeichneten Stelle unterhalb der Schwelle.

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