Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2642950-2642966-2642968--1064-2643998- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12 der von allem etwas nascht.“ Besonders der Handel mit ״holländischen Waren“ lag in den Händen der Juden. Wir finden sie überaus zahlreich auf den Messen (s. z. B. Monatsschr. XLV 470, 484 f., 508). Einige bereisen auch die nordischen Länder, soweit sie ihnen offen stehen. Daneben finden sich Pfandleiher und Geld- Wechsler, doch auch Spuren industrieller Thätigkeit. Glückei selbst leitet eine Fabrik von Hamburger Strümpfen, in der jährlich ״für viele Tausende Thaler“ Ware hergestellt wird. Eine ergiebige Hausindustrie war sodann das Klöppeln von Gold- und Silberspitzen. Neben dem Tabakshandel wurde auch ״Tabaksspinnerei“ betrieben. 1670 30. Apr. ״accordiret“ Meyer Jude (Wette Schutz-Buch), Scheidewasser zu brennen (״giebt jährlich 6 M., ab 1. Nov. 4 M., von 1671/6 jährlich 6 M.“ Ueber jüd. Briefträger in Hamb. s. Ha-maskir IX 1189 u. Portugiesengräber 98.). Zwischen den beiden Gemeinwesen kam es bald zu Streitigkeiten. Nach einem Responsum des R. Mos. Alscheik, so machten die Altonaer geltend, dürfe eine Gemeinde eine andere an demselben Orte zu gewissen religiösen Leistungen zwingen 1). Die Hamburger riefen ihrerseits den Schutz der Portugiesen an, bis dieser selbst bei dem Anwachsen der judenfeindlichen Strömung immer mehr an Macht und Bedeutung verlor und die Anlehnung an die Altonaer Gemeinde auch unter minder günstigen Bedingungen sich von selbst empfahl. Am 7. Ab 425 (1665) wird (Hamb. u. Alton. Gem.-Arch.) ,.geschlossen mit“ (den Vorstehern und Mitgliedern der Gemeinde), ״welche wohnen“ (bei uns hier zu Hamburg). Von den ״Pletten“ soll 73 von den Haushaltungen bestritten werden •, Deputierte sollen die Verteilung besorgen. Die Einschätzung werde streng geheim gehalten. Fremde werden von jenem 73 bewirtet, der Rest nach Einschätzung jedes Einzelnen aufgebracht. Nach Urkunden im Hamburger Gemeinde-Archiv entscheiden am 2. Ab 1669 Ahron Samuel b. Israel Kaidenower2), Ascher Anschel b. R. Abraham und Jacob b. R. Meir Fuld, dass nach Ablauf der nächsten 2 Jahre die Hamburger 24 Haushaltungen dem Altonaer Rabbiner sich unterstellen, und dass an der Wahl eines Oberrabbiners die Altonaer mit 12, die Hamburger mit 3 Stimmen sich beteiligen sollen. Unmittelbar an diese Entscheidung schliesst sich jener verhängnisvolle Zwiespalt in der Auslegung, indem die Altonaer ihr Rabbinat auch in zivilrechtlichen Fragen als die für ף Hier wird auch betont, dass eine Gemeinde nur dann eine ״heilige“ genannt werde, wenn sie einen eigenen Friedhof besitze. *־) Ahron Samuel Kaidenower, einer der Wilnaer Flüchtlinge, wurde 1667 Rabbiner der Frankfurter Gemeinde, kehrte 1677 nach Polen zurück und starb als Rabbiner in Krakau 1696. Sein Hauptwerk ist dieResponsensammlung Emunat Schemuel (Zunz, Ir 11a־tsedeq 117 sq . Horovitz, Frankfurter Rabbiner II 49).