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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 10 (sequence 13)
Language
German
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10 Gesenius von St. Katharinen nennt die Aufnahme der Juden öffentlich einen ketzerischen Unfug (Clemens a. a. 0. 366) — erweisen sich als fruchtlos. Vergebens rufen auch am 22. Sept. die Altonaer Juden wieder die Unterstützung des Pinneberger Amtes für ihre Hamburger Mitglieder an, die nun nach 22jährigem Aufenthalt mit einem Mal ihren Wohnort verlassen und fortan nur gegen ein Geleitsgeld aus- und eingehen sollten. Noch in dem־־ selben Jahre ist die Vertreibung der Juden eine vollzogene Thatsache. Jeder deutsche Jude musste nunmehr, um Hamburg betreten zu dürfen, einen Pass lösen, welcher immer nur für 3 Tage gelten sollte. Ein Teil der Vertriebenen scheint sich nach Friedrichstadt gewandt zu haben. Deutsche Juden bemühen sich nämlich 1649 um die Erlaubnis, daselbst einen Lombard einzurichten. Ihr Gesuch wird abgelehnt, weil sie deutsche, nicht portugiesische Juden seien (Neues staatsbürgerl. Magazin). Das Gros liess sich in Altona nieder. Einige Familien begeben sich unter dem Titel ״Dienstboten der portugiesischen Nation“ in den Schutz der Hamburger Portugiesengemeinde und Averden yoii dieser dem regierenden Bürgermeister zur Eintragung in seine Akten aufgegeben. Sie bilden den Stamm der eigentlichen Hamburger, d. h. unter keinem fremden Patronat stehenden deutschen Judengemeinde. 1654 18 Familien stark, haben sie 3 Jahre später bereits einen eigenen Vorstand von 3 Mitgliedern an ihrer Spitze. Als ihre Rabbiner werden ein Abraham und Tebele Posner genannt. 1659 zahlen sie an die Portugiesen Gemeindeabgaben1). 1670 zählen sie 23 Haushaltungen. Ein Jahr darauf beschAveren sie sich bei ihren Patronen, den Portugiesen, die Altonaer Gemeinde verlange von ihnen, dass sie sich von ihrem Rabbiner Tebele lossagten. In der That Avar, um das Verhältnis der Altonaer zu diesen Hamburger Juden zu regeln, der Frankfurter Rabbiner Ahron Samuel KaidenoAver nach Hamburg berufen AA7orden. Er entscheidet dahin, dass Tebele noch 2 Jahre im Amte bleiben, dann aber die Hamburger Judenschaft dem Altonaer Rabbinate sich unterAA7erfe11 solle. 1671 löst sich diese von dem Protektorat der Portugiesen los und das Schutzbündnis mit Altona tritt in Kraft. Mit der Ausführung der Aufenthaltsbeschränkung für die 1649 Vertriebenen hatte es der Senat nicht so genau genommen. Wo es irgend anging, liess man Milde Avalten. Schon 1650 beginnen diese Juden sich ״einzuschleichen“ (CI. VII Lit. Hf Nr. 5 vol. l1 1׳), und am 10. Juli fragen die Oberalten an, ob die deutschen J) Magnus Nathan, wohl der Mauas natan in ״Portugiesengräber“, und Consorten. im Ganzen 18 Familien, bewerben sich d. 22. Okt. 1663 beim Pinneberger Amt um die Erlaubnis, auf dänischem Gebiet ״gegen eine leidliche jährliche remuneration“ einen Friedhof anzulegen.

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