Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Um in Hamburg sich aufhalten und handeln zu dürfen, musste jeder Jude beim präsidierenden Bürgermeister für 1 Dukaten einen Pass lösen, welcher 4 Wochen Giltigkeit hatte. Doch sah der Senat, der sich ja seinerzeit mit aller Macht der Ausweisung entgegengesetzt hatte, ״den Juden gern durch die Finger“, wie Glückei ihm nachrühmt Aus den 4 Wochen wurden in Wirklichkeit oft 8, auch liess man Milde walten, wurde ein armer Schelm ohne Pass angetroffen. Im grossen Ganzen wurde die Steuer und der Zwang, vor Thorschluss Hamburg wieder verlassen zu müssen, doch schwer empfunden. Eine Wandelung zum Besseren brachte der ״Schwedenwinter“ 1657. Glückei gedenkt noch mit Schrecken des Wintermorgens — und eine so strenge Kälte hatte man seit 50 Jahren nicht erlebt —, als der Schreckensruf ertönte: ״Der Schwede ist da.“ Um nur das nackte Leben zu retten, stürzte alles nach Hamburg, wo man bei den portugiesischen Juden oder befreundeten Bürgersfamilien Zuflucht fand. Die Behörden hatten ein Einsehen, und Glückeis Vater war der erste Jude, welcher die Erlaubnis erhielt, wieder in Hamburg zu wohnen. Ein jeder vereinbarte mit dem Meldeamt ein — übrigens mässiges — Schutzgeld. Ausserdem hielt man sich aber durch dänische Schutzbriefe die Notthür nach Altona offen, zumal man wie bisher dort den Friedhof hatte. Ueberdies duldete die Hamburger Geistlichkeit keine Synagogen; man behalf sich mit kleinen Betstuben (Minjanim), musste, wie Gltickel sagt, ״in die Schülcher kriechen.“ Trotz aller dieser Unduldsamkeit, die den Wunsch, Hamburg und Deutschland zu verlassen, ihr nahe Stehenden eingeben konnte (250), schätzt sie doch (296) noch später ״die biedere deutsche Art.“ Glückeis Angaben finden in authentischen Quellen ihre volle Bestätigung. Sehen wir von der Ahasversage ab, welche die Spuren des ewigen Juden bis nach der nordischen Hansestadt verfolgt, so findet sich auch nicht der leiseste Hinweis, dass vor dem letzten Viertel des sechzehnten Jahrhunderts nach Hamburg Juden gekommen seien. Nach einer Urkunde im Hamburger Staatsarchiv kauft 1582 Arend Jacob von der Littau (wohl Littfeld), offenbar, selbst wenn nicht in Hamburg wohnhaft, so doch dort geschäftlich thätig, in Ottensen, welches damals zum Kirchspiel St. Pauli gehörte, aber unter der Botmässigkeit der Schauenburger Grafen stand, für 400 Mark Lübisch von dem Bauern Hein Kröger ein Haus mit Hof. Dieses Grundstück wird später (1614) als Friedhof eingerichtet1). Ein Jahr darauf erhält der Perlenhändler Isak aus 1645 (ג schliessen die Hamb. Juden zu Glückstadt einen neuen Akkord, der ihnen die Toten auf dän. Grund und Boden zu bestatten erlaubt. 1689 akkordieren inKopenh. die Alton. Schutzjuden mit den Hamb, wegen des Ottens. Friedhofes. 1702 wird in Kopenh. eine Vergrösserung dieses Friedhofes vereinbart.