Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Aufsätze in der Zeitschrift des Vereins für Hamburg. Geschichte und der Monatsschrift f. d. Wissensch. des Judentums, sowie Haarbleichers ״Zwei Epochen“. In den ersteren werden nur Einzelheiten aus der früheren Geschichte geboten, und Haarbleicher giebt nach einer flüchtigen Zusammenstellung einschlägiger älterer Daten nur Auszüge aus den Akten des Hamburger Gemeindearchivs und persönlich Erlebtes seit der Franzosenzeit. Hinweise auf Hamburg in geschichtlichen Darstellungen, welche Gemeinden oder Personen zum Gegenstände haben, deren Geschicke mit denen der Dreigemeinden verknüpft sind, lassen nur um so emptindlicher die hier klaffende Lücke fühlen. Wie zahlreich und mannigfaltig solche Beziehungen gewesen sein müssen, ergiebt sich schon aus der hohen kommerziellen Blüte dieser grossen Gemeinde, einer der grössten in Deutschland. Was aber die Bedeutung ihrer Geschichte weit über den Rahmen der Gemeinde- und Familienchronistik hinaushebt, ist der rnassgebende Einfluss, den sie zu wiederholten Malen auf die Wandlungen innerhalb des Judentums ausgeübt hat. Der Streit zwischen Eybeschiitz und Emden, die Tempelgründung, die Einführung der deutschenPredigt in den orthodoxen Gottesdienst, das sind, selbst wenn wir auch nicht den Begründer der Neuorthodoxie, Sams. Raf. Hirsch, und den ״Anwalt der Juden“, Gabriel Riesser, mit auf Hamburgs Guthaben setzen wollen, Momente von weittragender Kraft geworden. Auch isoliert von allen äusseren Beziehungen, reizt indes die Geschichte der Hamburg-Altonaer Judenheit zur Darstellung. Dank den reichlich fliessenden archivalischen Quellen sowie vor allem den intimen Schilderungen einer Glückei von Hameln für das 17., eines Jakob Emden für das 18. Jahrhundert, entrollt sich hier ein Kulturbild, wie es wohl kaum von einer zweiten Gemeinde so getreu sich zeichnen lässt. Die Herrscher- Weisheit der dänischen Könige, deren Ruhm die Annalen der deutschen Literatur verkünden, hat auch den Juden in ihren Staaten bereits vor mehr als 200 Jahren Daseinsbedingungen geschaffen, um die sie so manches jüdische Gemeinwesen noch heut beneiden könnte. Und ebenso war, trotz aller äusseren, meist von kleinkrämerlichem Geschäftsneid der Bürgerschaft errichteten und aufrechterhaltenen Einschränkungen, Hamburgs Senat stets beflissen, die soziale Stellung seiner Juden zu heben. Auf solchem Boden gedeihen denn auch zu reicher Ernte Betätigungen jüdischer Kräfte in Kunst und Litteratur, in Grosshandel und Schiffahrt zu einer Zeit, da man diese Gebiete anderwürts mit Argussorgfalt vor ihnen zu bewahren suchte. So erstarkt aber auch in diesen Juden ein Geist der Selbständigkeit, welcher es unbilligen Forderungen selbst der Staatsgewalt gegenüber, zumal in Fragen der Glaubensfreiheit, an erhebenden Proben nicht fehlen lässt. 1*