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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 2 (1903) Heft XII · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
2 (1903) Heft XII
Date
1903-01-01
Page
Seite 2 (sequence 5)
Language
German
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2 ausschliesslich Nichtjuden zu gute kommen, ja, sie steuern freiwillig zu Kirchenbauten bei, Senatoren speisen am Tisch eines Juden, beteiligen sich an einem jüdischen Leichenbegängnis, der Bürgermeister räumt einem befreundeten Juden sein Landhaus als Kuraufenthalt ein — alles dies vor der Franzosenzeit —, und dann ״eine jüdische Sevigne“, wie man die Mutter Neanders nannte, ferner ein Salomon, ja ein Heinrich Heine, und jüdische Literaten, die bei dem Publikum der Volkstheater1) beispiellose Popularität gemessen, — und auf der anderen Seite ein Ghettozwang, gegen den mehr als ein Gabriel Riesser zu kämpfen hatte. Und selbst das innere Leben der Gemeinde zeigt kein anderes Bild. Die Bewegung, welche der falsche Messias Sabbatai Tsebi hervorgerufen hatte, warf nirgends so mächtige Wellen, wie in Hamburg. Im 17. Jahrhundert weckt sie unter den Portugiesen einen, freilich friedlichen, Gegensatz zwischen dem Vorsteher Manoel Teixeira und dem Rabbiner Jacob Sasportas. Im darauf folgenden Jahrhundert entflammt sie aber einen Brand, dessen Funken bis in die fernsten Gemeinden hinübersprühen und fast die gesamte Judenheit in Mitleidenschaft ziehen. Es ist der Kampf zwischen Emden und Eybesehütz. Eine ähnliche Bedeutung für die Gesamtheit der europäischen Juden gewinnt im 19. Jahrhundert der Streit, den die Gründung der Hamburger Reformgemeinde hervorruft. Und ihr Gegner Bernays, der Lehrer eines Samson Rafael Hirsch, des Vaters der Neuorthodoxie, ist der erste Rabbiner, der deutsch predigt. Und wie bis 1811 die Hamburger Juden religiös und lange Zeit auch in der Rechtspflege nach dem dänischen Altona praeponderieren, während sie politisch nach Hamburg gehören, so vollzieht sich noch in demselben Jahrhundert innerhalb der Gemeinde eine eigenartige Trennung von Staat und Kirche in der Loslösung der Kultusvon der Gemeindeverwaltung. Fügen wir noch hinzu, dass, wie ganz natürlich in einer Welthandelsstadt, die Hamburger Juden durch weitgehende Verbindungen an dem Geschick anderer Grossgemeinden, wie Prag, Wien, Amsterdam, London, Berlin teilhaben, so ermessen wir leicht die Bedeutung, welche die Geschichte der Hamburger Juden an sich, sowie für die Geschichte Hamburgs und die auswärtiger jüdischer Gemeinden beanspruchen darf. Was bisher über die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg-Altona geschrieben worden, beschränkt sich auf einige ב) Den glänzend begabten unglücklichen Jac. Heim*. David nennt K. Th. Gädertz (Die plattdeutsche Komödie) den eigentlichen Schöpfer der Hamburger Parodien und Lokalpossen. Wendungen aus seinen Werken sind dem Volksmund noch heut geläufig. Auf dem gleichen Gebiet erntete Hermann Hirsche 1 (1848—1900) seine Lorberen.

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