Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 2 (1903) Heft XII
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Hamburgs deutsche Juden bis zur;Auflösung der Dreigemeinden 1811 von Dr. M. Grunwald. Einleitung. Die Geschichte 1der Jaden in Hamburg bewegt sich von Anfang an bis in die neueste Zeit hinein in konträren Gegensätzen. In einer deutschen Stadt finden wir, bevor ein deutscher Jude darin geduldet wird, ein blühendes Gemeinwesen fremder Juden, ja eine ganze deutsche Gemeinde kann sich hier Jahrzehnte lang nur unter dem Patronat dieser spanisch-portugiesischen Juden behaupten. Und während diese Letzteren immer mehr an ßedeutung verlieren, entwickelt sich aus jener deutschen Siedelung eine der grössten deutschen Gemeinden. Auch diese Entwickelung trägt den Charakter einer Dialektik der Kontraste. So werden die Portugiesen, gleich den Vertretern anderer Nationen, bei den Beratungen über Handelsangelegenheiten vom Senat als Sachverständige hinzugezogen, aus ihrer Mitte wählen sich auswärtige Mächte, wie Polen. Schweden, Dänemark, ja selbst Portugal, ihre diplomatischen Vertreter, einen ernennt sogar der Kaiser zum Pfalzgrafen, überall werden diesen Personen die gebiihrenden Ehren bezeugt, und das zu einer Zeit, wo man ihnen den öffentlichen Gottesdienst verbietet und sie ihre Toten in fremdem Boden bestatten müssen. Das hindert nicht, dass die höchsten Würdenträger in ihren Häusern verkehren, dass Rodrigo de Castro, der berühmte Arzt, vom Senat für seine Aufopferung auf jede Weise, unter anderem dadurch ausgezeichnet wird, dass er als einziger Jude ein Haus auf seinen Namen erwerben darf, ja dass selbst der schärfste Eiferer gegen die religiöse Bethätigung der Juden, der Gründer einer noch heut bestehenden Missionsstiftung, dass Edzard mit dem Rabbiner Cohen de Lara Umgang pflegt. Dieser Gegensatz zwischen sozialer Stellung und politischer Geltung setzt sich bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts fort. Juden stehen an der Spitze mildthätiger Bestrebungen, welche 1