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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1903-01-01 · 1 (1903) Heft XI · p. Seite 79

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1903
Issue
1 (1903) Heft XI
Date
1903-01-01
Page
Seite 79 (sequence 79)
Language
German
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79 z. B. EB 495, 537a, 679g, M 1005—1006, Wolfram 131. 236 a und b. Zeitschr, f. österr. Volksk. 5, 179. Besonders kunstvoll gebaut sind die Natureingänge in N148 .־. Die erste Strophe beginnt wie ein gewöhnlicher Vierzeiler mit einem zweizeiligen Naturbild: ״Neben Wasser wachsen Bejiner, Un auf die Bejraer wachsen Zweigen, die zweite erweitert es durch eine dritte Zeile: ״Un auf die Zweigen Blatt er", die dritte setzt noch eine vierte Zeile hinzu: ״Un auf die Blätter wachsen Niss.“ Die vierte und fünfte Strophe haben denselben Eingang, jedoch mit Abänderung des letzten Wortes: ״Epelu und ״Doilen“.!?} Wie mit dem Erlöschen des Natursinns infolge der Entfremdung von der Natur an die Stelle der poetischen Naturbilder Vorgänge aus dem prosaischen Alltagsleben treten, mögen einige Beispiele zeigen. In Nr. 283 folgt auf die Strophe von dem ״Futter“ Strophe 7: ״Gute Bier in a schlechte Tuen, Hejbt doch on zu säuern; As die Mejdel nehmt dem Almen, Varbrejogt sie ihr Leben in Trauern“, ihren Gipfel erreicht jedoch die Hausbackenheit in Strophe 4: ״Zehn Hernder liegen in Kasten Mit die brejte Ivrejnen ( Spitzenkrausen), As die Mejdel nehmt dem Almen, Varbrejngt sie ihr Leben in Wejnen“, und in Nr. 223: ״Es is araus a Mode — Schichelech auf Watten; Alle schejne Bocherim Gejhen fir Soldaten“ und Nr. 228: ״In Amerika fohreu Fuhren Barg aruf. Barg arop, U11 as der Bochur liebt die Mejdel. Lejgt er far ihr die Kop. In Amerika backt men Chale Far die ganze Welt, Un as u. s. w. Nehmt er ihr ohn a Kop’ke Geld. In Amerika backt men Bejgel Auf a ganzen Johr; Ich dein Chossen un du mein Kaie Seinen bejde a giejche Por!־־ Dass diese Verflachung und Veräusserlichung eine allerorten auftretende Erscheinung ist. dafür diene als Beweis ein türkischer Vierzeiler, zitiert von Kunos in: Chansons populaires turques, Zeitschr. d. morgenl. Gesellsch. 53. 239; La ceiuture gui porte mes armes, Est en cuir de mouton: Une femme s’en va devant moi. Et je reste derriere ä la contempler. In dem einer Polkamelodie angepassten Lied Nr. 361 stimmen die Verso: ״Mädchen, flecht a Kränzen roith, Morgen binstu meine Braut — Kein Kränzen roith flecht ich nit, Ich bin jung nn heirath nit“, welche noch das hochdeutsche Gewand nicht abgestreift haben, mit dem schlesischen Lied M Nr. 825: Rosel, pflück dir Kränzelkraut, Du sollst werden meine Braut — Kränzelkraut, das pflück ich nicht, Ich bin jung und heirat nicht. Ebenso W Nr. 671. Frischhier, Hundert ostpreuss. Volksl. Nr. 33. Der Refrain: ״Ein mol ahin un ein mol aher, Mit dir zu tanzen is mir nit schwer“ ist aus dem Tanz!־ liedchen für kleine Mädchen: Liebe Schwester tanz mit mir! Meine Hände reich ich dir. Einmal hin, einmal her, rund herum, das ist nicht schwer, das erst in neuester Zeit von pädagogischen Dichtern aus dem alten: Jakob (oder Hansel) hin, Jakob her. Jakob ist ein Zottelbär! zurecht gemacht worden ist. BK Nr. 600, Ba Nr. 197. Zum Schlüsse sei noch auf eine Anzahl von Liedern hingewiesen, die ohne Zweifel deutschen Ursprungs sind, deren Quellen aber bisher nicht aufzufinden waren. Es sind dies Nr. 119: ״Sitzen sieben Weiber Bei'n Quali un Brunnen; Spracht eine zu die andere: Wollt mein Mann gekommen Wollt ich sich varstellt Far a Hos! Wollt ich gesprungen Iber’n Gros . . .“ Die folgenden Verwandlungen sind Bär. Katze, Maus und Biene. — Sodann die ״Kiltlieder“ Nr. 136 — 138, in denen der Freier vor Liebchens Thür um Einlass bittet: ״Klip-klap, eilen mir!“ . . . ״Wer gejht asej spät bei Nacht? Jossele Kasantschik! Seh, Nechamele. offen mir. Ich bin dein Kochantschik! (= Geliebter). Seh, Nechamele, elfen mir!?ch hob Mejre ( — Furcht) var mein Manien! Seh, u. s. w., 'ch wel sich gor nit sainen! u. s. \v.“ — Das Wunschlied Nr. 173: ״. . Wollt ich gewen a Vejgele, Wollt ich zu dir gefiejgen . . . Wollt ich gewen a Fischele, Wollt ich zu dir gesehwummen . . . u. s. w. und das verwandte Nr. 134: ״. . . Wollt sie wissen, wer dos is, Wollt sie zu ihm winken. Wollt si>e hoben a Ghisele Wein, Wollt sie zu ihm trinken . . . “ vgl.;

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