Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 1 (1903) Heft XI
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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78 gleichen von Wichtigkeit wäre, und an: Schäfele komm, schlag mir die Tromm, Führ mir mein Fritzle im Schüttle herum. BK Kr. 300. Aehnhch Si Nr. 177: Häberli churn; Meier, Kinderreime aus Schwaben Nr. 239: Eberle komm und schlag mir die Tromm u. s. w. Die folgenden Verse: ״Fiedelt die Maus, Tanzt die Laus, Flieht die Flejh Dureh’n Fenster araus“ stammen aus der weitverbreiteten Bettelhochzeit, z. B. BK Nr. 1231: Da drin und da draussen, da geht es so zu, da pfeifet die Maus, da tanzt die Laus, Hupft der Floh zum Fenster hinaus, und kehren in unzähligen Kinderliedern wieder. Das Bruchstück Nr. 262: ״Seit gesund, meine liebe Eltern, Ich fohr awek.in a weiten Weg, Wu kejn Wind wejht nit, Un wu kejn Vejgele flieht nit, Un wu kejn Hohn krejht nit‘־ . . erinnert an die in der alten poetischen Rechtssprache gebräuchliche Formel zur Bezeichnung des Immer und Ueberall: So lange der Wind weht und der Hahn kräht, U III 166 f. J. Grimm, Deutsche Rechtsaltertümer 4 I, 56, Kleine Schriften VI, 172 und an die Be- Zeichnung des Nirgends in den deutschen und slavischen Besprechungsformeln: wo kein Wind weht und kein Hahn kräht. Zeitschr. des Ver. f. Volksk. 8, 337 f.. 381. Nr. 283 macht den Eindruck einer Zusammensetzung aus mehreren Liedern, deren jedes aus einigen Vierzeilern besteht. Von diesen zeigen mehrere den bekannten, im deutschen und noch mehr im slavischen Volkslied so häufigen Typus: Ein Naturbild als Eingang, hierauf eine Betrachtung oder ein Vorgang aus dem Menschenleben und der Gemütswelt, parallel geordnet. Eine bestimmte Beziehung zwischen dem Natureingang und dem Inhalt ist nur noch selten vorhanden, auch die Absicht, einen landschaftlichen Hintergrund für das Liedchen , oder י eine dem Eindruck günstige Stimmung zu schaffen, wird wohl nicht mehr anzunehmen sein, es scheint nur mehr eine traditionelle Form, die aus Bequemlichkeit dem Reim zulieb gepflegt wird, vorhanden. So erklärt es sich, dass Naturbilder, die besondern Anklang finden, als ״Wanderverse“ in Strophen verschiedenartigsten Inhalts auftauchen, wie hier in Strophe 5: ״Grejsse Fisch un klejne Fisch Seinen in die Teichen; As die Mejdel nehmt dem Almen (— Witt wer) kenn sie sich zu kejnem nit gleichen.“ Auf die so weit verbreiteten Verse: Kleine Fisch und grosse Fisch Schwimmen in den Teichen, folgen gewöhnlich die Verse: Wer die Tochter haben will, muss die Mutter streiche(l)n. So EB Nr. 433c, 884 B; M N1*. 1024, Vernaleken Mythen und Bräuche in Oesterr. 298 f., Weinhold, Schles. Wörterb. 91, Fr. Nr. 168. 844. — In der folgenden Strophe: ״Fichsen-fell un bärische Fell Is doch gut af Futter, As die Mejdel nehmt dem Almen, Hot wos zu klogen Voter un Mutter“, ist es interessant zu sehen, wie ein dem jüdischen Städter unverständliches Naturbild mit Benutzung der Doppeldeutigkeit des Wortes ״Futter“ (jüd. Pelz nach dem poln. futro) in ein verständliches umgewandelt worden ist. Die deutschen Vorbilder dieser Verse lauten nämlich: Gerstenstroh und Haferstroh sind das beste Futter, Und wer die Tochter haben will, der meid’ sich bei der Mutter, F1*. Nr. 843 oder: Haberstroh und Wickenstroh, ist das kein Winterfutter? Wenn ich die Tochter haben kann, Was frag ich nach der Mutter. M Nr. 1024. Ein beachtenswerter Fingerzeig für die Zusammengehörigkeit der Strophen 5 und 6 unseres Liedes ist dass in dem eben angeführten Liede M Nr. 1024, das sonst einen ganz anderen Inhalt hat, die entsprechenden Strophen (4 und 5) ebenfalls aufeinander folgen. In der folgenden Variante Nr. 284 finden sich andere Wanderverse: ״Wie der Epele is schejn un fein, Is a Worin in derinnen, Welche Mejdele es nehmt an Almen Hot sie a falschen Sinnen“. An passenderer Stelle kehren sie in dem einem verlassenen Mädchen in den Mund gelegten Wiegenliede Nr. 80 wieder: ״’s i’ gor nito kejn Epele. Wos soll nit sein kejn Worm in drinnen,?siJ gor nito kejn Mannsperson, Wos soll nit hoben kejn falschen Sinnen!“ Dieses Gleichnis begegnet im deutschen Volkslied unzähligemal,