Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 1 (1903) Heft XI
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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72 Nr. 106. ״Sitzt ein alte Wittwe Wittwe In Regen 1m in Sclinej; Wos soll men ihr essen geben? Putter mit Ivawej \ Zipen, Zapen, Putter klappen. Hejngen sej sich on!“ Eine Entlehnung jüngsten Datums, wie der noch ganz hochdeutsche Wortlaut beweist. Die mir bekannte kd. ganz ähnlich lautende Fassung (nur in den Worten: Zucker und Kaffee! Zipfel, Zapfel, ßutterkrapfel, abweichend) dieses Spielliedchens linde ich in keiner Kinderliedersammlung. In einer ländliehen Variante bei Süss, Salzburger Volkslieder S. 21 Nr. 89 ist von etwas derberer Kost die Rede: As sitzt an ältö Jungfa En Regn und en Schnee, Was muass mar ialir denn z'essh göbm? An Zwifl und an Klee. Nr. 114. ״A schejne Mejdele bin ich, Rloe Seckelach trog ich, Tausend Tholer verniog ich. Tholer in die Taschen. Wein in die Flaschen. Bier in die Kriegelach. Kinder in die Wiegelach.“ Die ersten drei Verse finden sich in schweizerischen und elsässischen Liedchen, z. B. Kariinele (Susannala oder ein anderer beliebiger Name) heiss i. Sclieen bin i. das weiss i. Rodi Scliiejele drag i, Hundert Thal er vermag i. BK Nr. 576, 577. Si Nr. 476. Ba (= Baslerische Kinder- und Volksreime) Nr. 16*2. Jahrb. f. Gesell., Sprache etc. Elsass-Lothringens 12, 112. Zu den folgenden Versen, die auch in den sonst ganz abweichenden N1*. 113 und 116 Vorkommen, vergl.: Das Geld aus den Taschen, der Wein aas den Flaschen, zitiert von Wurzbach. Glimpf und Schimpf S. 120 aus einem Martinsliede, dessen Anfang er nicht angieht. Nr. 122 bis 124. Von diesen Kettenreimen stimmt Nr. 124 zum grossen Teil mit den deutschen, vgl: . . wos vier is nit drei. U11 wos alt is nit nei, Un wos nei is nit alt, U11 wos warern is nit kalt, Un wos kalt is nit waren!, Un wos reich is nit arem. ün wos arem is nit reich, Un wos kruni is nit gleich. . . U11 gerecht is der Pauer, Un wos siss is nit sauer, Und avos sauer is nit siss . . . Un a Schwert is nit kein Bichs. U11 a Futter is vun Fichs . .“ mit Si Nr. 16b, BK Nr. 1516: Eins, zwei, drei, Alt ist nicht neu, Neu ist nicht alt. Warm ist nicht kalt, Kalt ist nicht Avarm, Reich ist nicht arm, Arm ist nicht reich . . . Schreiber is kein Bauer, Süss is nicht sauer, Sauer ist nicht süss . . . und Nr. 167: . . . Arm ist nicht!־eich. Ungrad ist nicht gleich . . . ferner R (= Rock holz, Alemanu. Kinderlied und Kinderspiel) Nr. 717: . . . Hasen sind nit Füchs, Holzschlägl is ke Büchs . . . Nach dem Muster von Nr. 124 ist Nr. 123 gebildet, wo hebräische Wörter eingestreut werden: ״Ow is a Voter. Iveidor is a Toter, A Toter is Keidor, Bgodirn is Kleider u. s. w.“ und Nr. 124, wo jeder Vers aus einem hebräischen Wort und seiner Uebersetzung besteht:.Kleider — Bgodirn. Chut — a Fodim. A Fodim — Chut, Tejw — gutu. s. w.1‘ Anstatt des sinnlosen: ״Lek — a Rehr,“ ist nach Mitt. III (1899) 8. 11. Nr. 25 zu lesen: ״Rejk—leer, Leer — 1־ejk.“ Nr. 126. ״Hot ha-Schem jisborach aropgeschickt A Beimeie arop. Beimeie soll Barelech wachsen. Beimeie will nit Barelech wachsen, Barelech willen nit fallen. Hot ha-Schem jisborach aropgeschickt :.־. Jekelen arop Soli Barelech reissen. Jekele will nit Barelech reissen u. s. w.״ Diese Zählgeschichte (Zählgeschichten nennt mau solche erzählende Lieder, in denen jede folgende Strophe die vorhergehenden rückwärts wiederholt und am Schlüsse das Ganze in umgekehrter Folge aufgezählt wird) beruht nicht auf der ״Chad gadja“ der Pessach-Haggada, sondern auf der schon frühzeitig daneben laufenden gemeindeutschen Version vom Joggele, den der Bauer ausschickt, um Birnen zu schütteln. Ihr Alter bezeugt Fischart durch seine Anführung im Gargantua Kap. 25. Die letzten handelnden Personen sind hier der ״Schejcliec“. der ״Malaeh ha-Mowes“ und endlich ״ha-Schem jisborach“. in den deutschen Fassungen, EB III, Nr. 1745, BK Nr. 1260b, R Nr. 275, St (= Stöber, Elsäss Volksbüchlein'־) Nr. 103, treten gewöhnlich auf Metzger, Henker, Teufel, bei Si Nr. 949 und Ba N139 .־ zuletzt ״der Herr selber“.