Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1903
- Issue
- 1 (1903) Heft XI
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hrodna 1× ep/1044655
- Kaunas 1× ep/1000678
- Minsk 1× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
OCR text
Das jüdische Volkslied in Russland. Jewrejskija naroduyja pjessni w Kossii. (Jüdische Volkslieder in Russland, gesammelt und heravisgegeben vm! S. M. Ginsburg und P. S. Marek,) St. Petersburg 1901. Verlag des ,,Wos'chod1 .״ Ruh. 50. Das vorliegende Werk, das wir — leider infolge unliebsamer Zwischenfälle verspätet — unseren Lesern verführen, ist, um das En durteil gleich vorwegzunehmen, sowohl dem Umfang als dem Inhalt nach als die bedeutendste Veröffentlichung auf dem Gebiete der jüdischen Volkskunde zu bezeichnen. Welchen Wert die Volkslieder, in denen sieh Charakter und Gemütsart, das Leben und Fühlen eines Volkes am deutlichsten ausprägen, die es in allen seinen Leiden und Freuden von der Wiege bis zum Grabe begleiten, für die Volkskunde besitzen, braucht ihren Freunden und Kennern nicht erst gesagt zu werden. 111 richtiger Erkenntnis dieses Wertes erliessen die Herausgeber im Jahre 1808 einen Aufruf zur Einsendung jüdischer Volkslieder, der so günstigen Erfolg hatte, dass sie in verhältnismässig kurzer Zeit aus dm* grossen ihnen zugeströmten Menge die stattliche Zahl von 0 7B Liedern auszuwählen und zu veröffentlichen imstande waren. Von diesen entstammen mehr als dreiviertel den Gouvernements Wilna, Kowno, Grodno, Minsk, Witebsk und Mohilew. die ungefähr dem alten Grossfürstentum Litauen entsprechen, und mehr als die Hälfte der übrigen den Gouvernements Kurland, Pultawa und Podolien. So gut wie gar nicht vertreten ist das Königreich Polen und fast der ganze Süden und Westen Russlands mit einer jüdischen Bevölkerung, welche der des Gebietes, aus dem Lieder mitgeteilt werden, zum mindesten gleichkommen mag. Eine Erklärung dieses auffallenden Missverhältnisses wird leider von den Herausgebern nicht gegeben. In dieser Richtung bedarf die Sammlung dringend einer Ergänzung. Der Text der Lieder ist in zwei parallelen Kolumnen mit hebräischen und lateinischen Lettern gedruckt. Leider haben die Herausgeber die Texte nicht in der ursprünglichen Schreibung ■wiedergegeben, sondern alle gleichmässig in die Aussprache der XI. Heft. Jg. 1903. I. 5