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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 2 (1902) Heft X · p. Seite 123

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
2 (1902) Heft X
Date
1902-01-01
Page
Seite 123 (sequence 44)
Language
German
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123 Dass wir hierbei zwischen symbolischen, allegorischen, typischen und historischen Bildern nicht deutlich scheiden, hat seinen Grund nicht sowohl in der Schwierigkeit, diese Grenzlinien hier, wo so oft Nachahmung christlicher Vorbilder und nicht selten unmittelbare Entlehnung vorliegt, scharf und bestimmt zu zeichnen, als vielmehr in der Betonung des kulturgeschichtlichen Wertes dieser Daten, gleichviel ob bedeutsames Bild oder einfache Dekoration vorliegt. Der weit verbreiteten Anschauung von der rigorosen Bilderfeindlichkeit des Judentums stellen die Religionsquellen selbst unwiderlegbare Zeugnisse entgegen. Die Bibel nennt die Kherubim des Stiftszeltes und des Salomonischen Tempels, das eherne Meer, Rinder- und Löwenfiguren gleichfalls an heiliger Stätte, die Löwen auf den Stufen des Salomonischen Thrones (Löw 40, Levy M 132), die Terafim (1. Sam. 19, 18), die Darstellung von Pflanzenwerk, von Seeungeheuern an dem Fusse des goldenen Leuchters (vgl. Gunkel, Schöpfung u. Chaos 166), die eherne Schlange, welche noch bis ins 17. Jahrb. zum Inventar der hebräischen Archäologie zählte (Wagenseil, Belehrung der jüd.-teutsehen Redu Schreibart, Fürrede), Siegelringe zur Zeit der Patriarchen (Gen. 381S), welche jedoch vielleicht erst die jüdische Legende aus eigener Erfindung mit Emblemen versehen hat, und die Fahnen der zwölf Stämme, welche sich ausser durch die Farbe wohl auch durch die einzelnen Stämme kennzeichnende Bilder von einander unterschieden haben. Diesen Thatsachen reihen sich die talmudischen Berichte an, zum Teil, indem sie ihnen eine phantasievolle Ausgestaltung und Fortentwicklung geben. Dem Könige Salomo wird, wie seinem Partner Asmedaj, (Gittin 68a) ein Siegelring zugesprochen, ja Gott Spielerei wie ש £] ש] plus D h n] plus Ti [0 Pi] — 360 (vgl. unten G£p1£a [1Xajj1|), bedeutet die Anzahl der Gupavoi oder Geisterreiche. Er findet sich im Sefer Raziel (ed. Lemb. 1805) p. 6b, cod. Hamb. 252 (s. Steinschn. Catal. 99 Abracoios). Mitteil. V 51 (Abracolos, Abracaldus, Abrax) und bezeichnet das höchste Wesen in seiner Entfaltung i. Ggs. zu dem frsc; aßpr^vGs (Kraus I 6). Nun entfaltet sich die Gottheit in den vier Himmelsgegenden (לארבע רוחות vgl. Sech. II 10, VI 6, Dan. VIII 8, XI 4 u. unten ״Davidsschild“). So liesse sich aßpd*ac vgl. aßpacoü־£ü>x (Blau, Altjüd. Zauberwesen 112) deuten. (Dem häufigen aß und aßpa (vgl. Deissmann, Bibelstudien 4) am Anfang der Worte in jüd. Zaubertexten entspricht ג אבי לאבי//רm Sef. Raziel 1. c. (j£fj1£atXa|jL neben aßpa|ac (Fleckeisens Jahrb. Suppl. XIX p. 768 ist, wie ja auch sonst in den mag. Texten Wendungen aus den jüd. Gebeten wiederkehren (vgl. Blau 108ff.), als שים שלום °^er aus Jer.xux 36 וחבאחי אל עילם ארבע רוחות zu erklären). Andererseits gilt bei Sanchunjaton (ed. Orelli p. 9 nach Gen. I 2) u. s. (Dietrich, Abraxas 59) der Geist (רוח) als Emanation Gottes. Demnach wäre Abraxas אי" רוח (s• unten ״Davidsschild•') oder ראי" הרוחותvgl. אלחי הרוחות Num. XVI 22, XXVII 16 Seit der רוח הקו״״ש von Israel gewichen ist, bedient man sich des בת קול (Joma 9b u. s., vgl. קול 0י יח bei Sanchunj.). Vielleicht bedeutet dieses בח קול einen Ggs. zu אב רוח (s• Übrigens: Jahrb. f. jüd. Gesch. u. Lit. 1901.).

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