Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 2 (1902) Heft X · p. Seite 120

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
2 (1902) Heft X
Date
1902-01-01
Page
Seite 120 (sequence 41)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2642950-2642963-2642965--0928-2643861
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

120 68) poln. obgleich. e?) hbr. lebensgefährlich, gewagt. 70) hbr. errettet, heil. 71) Mädchen. 72) mit grauem Zopf alte Jungfern. Dieselbe Redensart bei den galizi sehen Kleinrussen. Globus Bd. 69. S. 93. Die österr.-ungar. Monarchie, ßd. Galizien. S. 402. 73) hbr. Freier. 74) Frau. 75) hbr. Trauung. 6ד) in den Schlaf wiegen. 77) klr. Keller. 78) däucht, scheint. 79) Schoss. 80) durchbläuen. 81) ehegestem. 82) poln. Frosch. ss) Bettfuss. 84) gestrige. 85) russ. (Hühner)־ stall. 88) sich schütten — strömen. 87) hbr. Schatz. 88) darfst du. ") Lass uns. 90) klr. Zweig. 91) so einen. 92) poln. retten. 93) hbr. Reich. 94) hbr. Herr König. 95) wenn nicht. 96) hbr. Königstochter." 97) erinnert. 98) muss. 99) alter ego des Königs. 100) Apoplexie. 101) doch. 102) Pflöckchen. Entkleidet man die zahlreichen germanischen und slavischen Fassungen dieses Märchens der wechselnden Nebenepisoden und Zuthaten, so bleibt als wesentlicher Inhalt der vermutlich ältesten Gestalt folgendes: Einem König wird geweissagt, ein Kind niedriger Herkunft werde sein Schwiegersohn und Erbe werden. Um dies zu vereiteln, kauft er das Kind seinen Eltern ab und lässt es aussetzen. Es wird gerettet, kommt aber herangewachsen dem König wieder in den Weg, der dem Jüngling einen Brief mitgiebt, der den Ueberbringer zu tödten befiehlt. Unterwegs vertauscht jedoch ein überirdisches Wesen den Brief mit einem andern, in dem befohlen wird, die Königstochter dem Ueberbringer zu vermählen. Der König nach langer Abwesenheit heimgekehrt, vermag die Sache nicht mehr ungeschehen zu machen und stellt dem Schwiegersohn, um ihn zu verderben, eine gefahrvolle Aufgabe: Haare oder Federn eines Teufels, Riesen, Drachen oder Vogels zu holen, meist auch diesem eine Frage vorzulegen. Unterwegs werden ihm von Verschiedenen noch weitere Fragen mitgegeben. Dem Helden hilft die Mutter oder Frau des Fabelwesens, indem sie diesem die Antworten entlockt und die Haare oder Federn ausrupft. Von seinen Auftraggebern, denen er durch die mitgebrachten Antworten aus schwieriger Lage hilft, wird er reich belohnt, sein Bericht über die Schätze, die noch zu holen sind, bewegt den habgierigen Schwiegervater ebenfalls die Reise zu unternehmen, die ihn aber das Leben kostet, so dass sein Reich dem Helden zufällt. Von diesem Grundtypus weicht unser Märchen in manchen Zügen ab. An Stelle der Weissagung ist ein prophetischer Traum getreten. Dass das Kind der erste, vom Vater nach *einer Reihe von Töchtern heissersehnte Sohn ist, findet sich nur hier, das gerade Gegenteil aber in dem verwandten italienischen Märchen des Pentamerone VI. 8 (KHM III), wo sieben Söhne ihrer Mutter drohen, in die weite Welt zu gehen, wenn das nächste Kind nicht ein Mädchen sein werde, und diese ersehnte Tochter die Heldin des Märchens wird. An die Stelle des Königs ist ein reicher Mann getreten, wie in dem Märchen aus Polnisch Liefland, Zbior 18, Nr. 42, dem polnischen, Zbior 16, No. 17, dem croatischen, Krauss No. 88 und dem serbischen, Arch. f. slavisch. Philol. I, Nr. 14, der in dem Hause übernachtet, wo das Kind geboren wird, so in den beiden letzterwähnten Märchen. Ganz modernisiert sind die Lehrjahre unseres Helden, die damit enden, dass er sich auf der Universität in eine Studentin verliebt, eine Episode, die augenscheinlich aus der neuesten jüdischen Romanliteratur herstammt. Auch die Erziehung durch den toleranten Geistlichen und die seltsame den Geistlichen zugeschriebene Leidenschaft für Käppchen ist unserem Märchen eigenthümlich, ebenso die Collegen, die an Stelle des märchenhaften Engels den Uriasbrief vertauschen. Ein alterthümliches Gepräge trägt der zweite Theil, der auch als selbständiges Märchen auf tritt, in einigen Fassungen, wo der Held zur Sonne geschickt wird, so in den kleinruss. im Etnografiöny Zbirnyk der Sevöenko-Gesellschaft in Lemberg I, No. 1 und VH, No. 62, zum Mond, um ihn zu befragen, warum die Sonne auf- und untergehe, im poln. Zbior 16, No. 27, zur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.