Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 2 (1902) Heft X
- Date
- 1902-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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her wohl die stellenweise ungenaue Anführung des Schrifttextes 1). Doch kann auch, wie oft in den hebräischen Zaubervorschriften aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, ein Lapsus memoriae vorliegen (vgl. Deissmann 8). Meist handelt es sich in den Papyris um biblische Reminiscenzen, wie die Schöpfungsgeschichte (mafase beresit), die Erzählungen vom Auszuge aus Aegypten samt den Nebenumständen, von der Berufung Jeremias, der Rettung Daniels. Vor allem lassen aber die biblischen Gottesnamen ihren Zauber spielen. Auch aus talmudischer Zeit fehlt es nicht an Belegen für Bibliomantie im Judentum. Leviticus rabba c. 65 Anfang heisst es, wie ein Vater seinen Sohn durch ein Amulet, das er in einem Stock verbirgt, gegen Zauberei und bösen Blick schützen will, so habe Gott Israel als Schutzengel die Tora gegeben. Wie ein Amulet, welches man bei sich trägt, soll Israel der Segen Num. VI 24—26 vor dem bösen Blick bewahren. (Pesiqta rabb. c. 5 [9b], Num. rabba c. 12). Die Vorstellung, die sich in solchen Sätzen wiederspiegelt, tritt konkret zu Tage in der Anwendung von Schriftstellen, wie Ex. III 2 (Sabb. 67a), XV 26 (Misnah Sanh. X, 1), Lev. I l7 XIII H (Sanh. 101a) zu Heilungszwecken, Dt. XIX 6, XX 16, wie Jes. XVI17, um einen bösen Traum zum Guten zu wenden (Berak. 55b), XXIX 3_10ל nm der Gefahr zu entgehen, welche mit dem Wassertrinken in der Mittwochs- und Sabbatsnacht verbunden ist (Pesach. 112a), und tj> 3 und 912) zum Schutz gegen Dämonen (j. Sabb. VI2 ed. Krot. f. 8b, b. Sebuoth 15b und Sefer chasidim). Frühzeitig wurden auch Mezuza und Tefillin als Amulette gebraucht (M. V 69 f.). Auf dievBibliomantie, wie sie in den Papyris auftritt, scheint die Baraitha Sabb. 115b hinzuweisen, welche bestimmt, dass [aufgeschriebene] Segenssprüche und Amulette, wenn sie auch Buchstaben des Gottesnamens und vielerlei Materien aus der Tora3) enthalten, am Sabbat aus Feuersgefahr nicht gerettet werden dürfen. Wie die Araber noch heute sich von einem Knaben irgend einen Spruch oder Vers hersagen lassen und daraus ihr Schicksal deuten, so pflegte man, obwohl der Talmud selbst gelegentlich auf die Unzuverlässigkeit solcher Orakel hinweist, mit Vorliebe Kinder, So auch M V 59 im Zitat von Ex. XI, 8 oder 47, aus der Leidensgeschichte Ijobs. Die geheimen Mittel, welche Mose dem Josua und ASmedaj dem Salomo übergieht (M V 66, 56), werden auch sonst erwähnt. Sie sind mythisch, wie im Pap. Paris (bei Blau 113) die Versiegelung der Zunge Jeremias. 2) 91 in einem Mausoleum zu Kertsch (Blau 95). 8) ״Der die Mauleselin nicht gebären lässt“ (Blau 108 ff.) auch bei Heim 176 und Marc. Burdig. (Perles, Etym. Studien 77). Die Benennung nach der Mutter in jüd. Amuleten gleichfalls bei Heim 474.