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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 1 (1902) Heft IX · p. Seite 71

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
1 (1902) Heft IX
Date
1902-01-01
Page
Seite 71 (sequence 76)
Language
German
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71 in Folio und verschiedene Bildnisse1). Verhältnismässig früh zeigte sich auch in einer anderen norddeutschen Stadt, Königsberg reges Kunstinteresse unter den dortigen Juden. Weiss doch L. v. Baczko2) schon 1787 von bedeutenden Kupferstichsammlungen zu berichten, die er dort bei den Brüdern Bernhardt, Meyer und Wulff Friedlaender fand. Deren Protektion verdankte auch der dort 1756 geborene Maler und Kupferstecher Moses Samuel Löwe, mit dem Künstlernamen Joh. Michael Siegfried Lowe, seine künstlerische Ausbildung. Seine Miniatur- und Pastellbilder erfreuten sich seinerzeit grosser Beliebtheit und durfte er daher auch in Petersburg die Kaiserin Catharina II. malen. Auch seine Vervollkommnung und Verbesserung der maniere lavee im Kupferstich fand Anerkennung. Er lieferte u. a.: ״Bildnisse, jetzt lebender Berliner Gelehrten mit ihren Selbstbiographien״, die sich der Anerkennung Goethe’s erfreuten3). Er starb in seiner Vaterstadt 1831. Seine Biographie lieferte Aug. Hagen in den neuen Preuss. Provinzial Blättern, Bd 3. (1853) I. S. 317—329 4). Zwei aus Hildesheim gebürtige ״noch junge“ jüdische Maler: Popper und Herz finden sich 1842 erwähnt, dürften aber wohl keine grosse Bedeutung erlangt haben, da sie anderweit nicht angeführt werden5). Verhältnismässig wenige jüdische Künstler lassen sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Oesterreich nach weisen. War oben bereits von einem Prager Schulvorsteher des 16. Jahrhunderts die Bede, der sich als Zeichner bekannt gemacht, so hören wir auch von einem dortigen Vorbeter des 17. Jahrhunderts, dem am 30. Oktober 1655 verstorbenen Liepmann Popper, dass er nicht nur Musik trieb, sondern auch malte und schnitzte6). Auch im 18. Jahrhundert scheint es in Prag einige jüdische Maler gegeben zu haben, so den 1720 verstorbenen David, den 1726 verstorbenen Hirsch b. Chaim Lissa (חיים ליסא p הירש מאליר) und den 1780 verstorbenen Isaak, der auch als Kabbalist bezeichnet wurde. Allerdings sagt Popper (a. a. 0. S. 368 f). der deren Grabschriften mitteilt: ״Der Zweifel kann nicht unterdrückt werden, ob hier nicht ein blosser Name vorliegt“ . . ., meint aber doch, dass bei Hirsch der verschiedene Name des Vaters dafür spricht, dass wir in ihm wirklich einen Maler sehen dürfen. Auch der Zusatz auf seiner Grabschrift: ״beschäftigt bei Reichen“ scheint hierfür zu sprechen. Auch Schudt7) sagt von den Prager Juden, *) Hamb. Kiinstlerlex. u. gütige Mittl. d. Herrn Dr. Heckscher. 2) Versuch einer Gesch. u. Beschreib, von Königsberg. I. Aufi. 1787. S 458. n. 1804 S. 353 (nach Jolowicz a. a. 0. S. 93.) :) S. Werke. Stuttg. u. Tüb. 1830 Bd. 33. S. 132, 136, 137. 4) Jolowicz a a. 0. S 102. 5) AUg. Zeit. d. Jdnt. 1842. S. 685. e) Kaufmann in Haggadah v. Seraj. S. 306. 7) A. a. 0. IV. 3. S. 149.

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