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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 1 (1902) Heft IX · p. Seite 65

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
1 (1902) Heft IX
Date
1902-01-01
Page
Seite 65 (sequence 70)
Language
German
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65 lassen sich auch erst seit dieser Zeit jüdische Maler und Kupfer- Stecher in grösserer Anzahl nachweisen. Nur ganz vereinzelt begegnen wir dort schon früher einem jüdischen Künstler, dem 1727 zu Lehrberg geborenen Miniaturmaler Juda Pinhas. Sein Werdegang kann für die jüdischen Künstler der älteren Zeit wohl als typisch angesehen werden Aus dem Hause eines Zehngebot- Schreibers hervorgegangen, wurde er schon als Kind dem gleichen Berufe zugeführt. Mit 13 Jahren fertigte er eine mit Arabesken und Schildereien geschmückte Megillah, deren Schönheit solche Aufmerksamkeit erregte, dass der Markgraf eine Probe seiner Kunst zu sehen verlangte. Die von Pinhas zu diesem Zwecke ausgeführte Haggadah fand den Beifall des Fürsten in solchem Masse, dass er ihn, nachdem er sich auch im Portraitfach ausgebildet hatte, zu seinem Hofmaler ernannte. Als Pinhas sich später nach Bayreuth wandte, wurde er auch dort — auf Empfehlung des dortigen Hofmalers Hien — zum zweiten Hofmaler ernannt. Auf Empfehlung der Tochter des Markgrafen, der Herzogin Friederike Wilhelmine, wurde er von Bayreuth nach Berlin berufen, wo er den König Friedrich II., dessen Bruder, den Kronprinzen und den Prinzen von Oranien malte. Trotzdem ihn der König einlud, in Berlin zu bleiben, kehrte er doch wieder nach Bayreuth zurück, wo er in so hoher Gunst bei dem Markgrafen stand, dass dieser ihm, als er sich verheiratete, ein Haus einrichtete. Nach dem Ableben des Markgrafen wandte er sich dann nach Ansbach, wo er von Carl Alexander zum Hofmaler ernannt wurde. Er starb 23. Nov. 1793. Anscheinend hat Pinhas keine Kunst-Akademie besucht, was ihm als Juden wohl auch schwerlich zu seiner Zeit möglich gewesen wäre; berichtet doch Dohm,1) wie wir bereits schon einmal erwähnt, dass in den 70. Jahren des 18. Jahrhunderts einem jüdischen Maler, der in einer berühmten deutschen Stadt die Gallerien besuchen wollte, der Besuch derselben untersagt wurde. Aus ähnlichen Umständen erklärt es sich leicht, dass fast alle jüdischen Künstler, denen wir in Deutschland gegen Ende des 18. und im Beginn des 19. Jahrhunderts, begegnen sich dem Fache der Miniatur- oder der Porzellanmalerei zugewendet hatten, und wir nur erst später unter ihnen auch Landschafts־ und Historienmaler antreffen. Die ausführliche Biographie des Juda Pinhas schrieb2) (1818) pietätvoll dessen Sohn Salomon Pinhas, der ebenfalls Miniaturmaler, seine Kunst frühzeitig bei dem Vater erlernte und dann mit 16 Jahren zu seiner Vervollkommnung auf Reisen ging Später liess er sich in Kassel nieder, wo er Hofmaler des Kurfürsten Wilhelm wurde.3) Von ihm dürfte wohl das ג) lieber die bürgerl. Verfassung d. Juden. II. S. 293. י) Sulamith V. 2. S. 289-296. *) Ebendas.

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