Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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52 das bewunderungswürdige Gemälde zu sehen. Lange Zeit galt es als eine der Sehenswürdigkeiten Londons, und auch noch zur Regierungszeit Heinrich VIII. schrieb Sir Thomas More darüber: ״Our citizens wifes of London imagine that our Lady’s picture near the Tower doth smile upon them as they pray betöre it81 ״). Mit einem weiteren, der gleichen Zeit angehörigen jüdischen Künstler macht uns M. P. Yung* 2) bekannt, dem im 13. Jahrhundert za Coimbra geborenen Salomon Fernandez, einem Vorläufer Lavater's. Fernandez ״war als sehr geschickter Zeichner bekannt,, besonders aber machte er sich bekannt durch seine physiognomischen Beobachtungen. Er glaubte aus der Physiognomie des Menschen* die in ihm vorgehenden Gemüts-Neigungen erkennen zu geben. Er schrieb einen philosophischen Traktat, welcher 1296 (sic!) zu Venedig gedruckt wurde, hinterliess auch verschiedene zu seinen physiognomischen Beobachtungen gehörige Zeichnungen.“ Aus. dem 14. und 15. Jahrhundert kennen wir vorläufig keinen jüdischen Maler, wohl aber taucht im Beginn des 16. Jahrhunderts ein solcher in der Person des Portraitmalers Mose dal Castellazoin Venedig auf. Seine Arbeiten kennen wir leider nicht, und wissen nur, dass er beabsichtigte, die in den 5 Büchern Moses erzählten Begebenheiten bildlich darzustellen, und seine Entwürfe von seinen Söhnen* welche die Formschneidekunst erlernt, in Holz schneiden zu lassen. 1521 erhielt er das hierzu erbetene Privilegium des Druckes* freien Verkaufs und Schutzes gegen Nachdruck dieser Blätter3). Bedeutender übrigens als Castellazo dürfte vermutlich, wenn anders wir den Worten Yung’s (a. a. O.) Glauben schenken dürfen, eine gleichzeitig mit Ersterem arbeitende Malerin gewesen sein. ״Esther Engelhard, gewöhnlich Angelina von den Italienern genannt, war die Tochter eines reichen Juden zu Rotterdam im J6. Jahrhundert. Sie zeigte von Jugend an grosse Talente für die Zeichen-Kunst. Ihr Vater gab ihr die besten Lehrer, und sie machte so schnelle Fortschritte im Zeichnen, dass ihr Vater beschloss, sie mit ihrer Mutter nach Rom zu schicken. Sie wurde wegen ihrer Kunst-Geschicklichkeit bald bekannt, und erwarb sich durch ihr angenehmes Betragen den Namen Angelina. Buonarotti oder eigentlich Michael Angelo ein berühmter Maler, war sehr eingenommen für ihr Talent, und trug ihr an, sie in der Malerei zu unterrichten. Sie machte bald ausserordentliche Fortschritte, und malte viele Stücke, die man jetzt gewöhnlich dem Michael Angelo zuschreibt. Da ihr Lehrer 1564 (sic!) starb, ging sie nach Venedig, wo sie mehrere sehr gute Gemälde malte. Nach einigen J) Nach Davis, in Jew. Chron. v. 31. Mai 1901. S. 18. 2) Alphabetische Liste aller gelehrten Juden. Leipzig 1817. 8) Kaufkuann, in d. Rev. d. Et. Juives XXO. 8. 890 u. XXIII. Sä 139.