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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 1 (1902) Heft IX · p. Seite 51

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
1 (1902) Heft IX
Date
1902-01-01
Page
Seite 51 (sequence 56)
Language
German
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51 lieh abgehet, und hernaeh die Sau sieh präsentiren wird, die so Willkomm wird gewesen seyn, als eine Sau, nach dem Sprichwort, im Juden-Haus“. Jüdische Dekorationsmaler lassen sich auch nur erst seit Ende des 18. Jahrhunderts nachweisen. 1799 erhält der jüdische Maler Meyer Mortje Hendricusin Glückstadt seinen Lehrbrief, und 1837 erhält einen solchen der jüdische Maler Marcus Meyer Henriques in Altona1). Im Oktober 1852 erteilte das Hamburger Maleramt einigen dortigen Juden das Meisterrecht 2). Mehr Anregung, sich der Malerei zu widmen, bot aber das Verlangen nach Illustrationen der jüdischen Handschriften. Wie verhältnismässig viel und nicht unbedeutendes hierin in der That von jüdischen Künstlern geleistet wurde, verüberflüssigt sich hier anzuführen, nachdem dies nur eben von D. Kaufmann in dem bereits erwähnten Anhang zu der Haggadah von Serajevo ausführ־ lieh in überzeugendster Weise dargelegt wurde. Ob jüdische Künstler nicht auch hin und wieder zur Ausschmückung nicht־ jüdischer Handschriften herangezogen wurden, ist nicht bekannt, doch erscheint es um deswillen nicht ganz ausgeschlossen, da es im Mittelalter christliche Autoren ja auch nicht verschmähten, sich der Sprachkenntnisse der Juden zu bedienen, wie es ja bekannt, dass Wolfram von Eschenbach, der selbst weder schreiben noch lesen konnte, sich zur Uebersetzung des Parcival des Juden Sampson als Dolmetscher bediente3). Ist ja im Mittelalter sogar der Fall vorgekommen, dass ein jüdischer Künstler seine Kunst in den Dienst der Kirche stellen durfte, wie dies Newcourts Repertorium S. 765 vom Jahre 1270 folgendermassen berichtet: König Eduard 1. von England hatte, im Begriff den Thron zu erlangen, eine Vision, die ihn ermahnte, der in der Nähe des Tower gelegenen Marien-Kapelle in All Hallows Church ein Bild der heiligen Jungfrau zu stiften, was ihm Erfolg in allen seinen Unternehmungen bringen werde. Prinz Eduard stellte hierauf Nachforschungen nach dem talentvollsten Maler seiner Zeit an, und es wurde ihm darauf Marlibrun (Meir le Brun?) der Jude von Billingsgate als der weitaus grösste aller damals lebenden Künstler bezeichnet, der auch den Auftrag, das Bild zu malen, erhielt, und zu aller Zufriedenheit ausführte. Das Gemälde übte eine so grosse Anziehungskraft auf die Gläubigen aus, dass sie von allen Seiten herbeiströmten, um J) Mitt. d. Ges. f. jüd. Volksk. I. VIL י) Haarbleicher, Aus d. Gesch d. Deutsöh-Isr. Gern, in Hamburg. S. 380. Uebrigen8 stellt uns eben Direktor Frauberger (a. a. 0. S. 5) eine Publikation über den Bau und die Ausschmückung einer hölzernen Synagoge zu Bechhofen in Bayern in Aussicht, die im Innern im 17. Jahrhundert von einem Juden vollständig ausgemalt wurde. 3) Hagen, Minnesänger IV. S. 190 u. Reisebriefe II. S304 ״.

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