Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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50 und dass von der, wahrscheinlich 1429 zerstörten Synagoge zu Meissen Mose Or Sarua, der sie als kleiner Knabe sah, berichtet, dass deren Wände Darstellungen von Bäumen und Vögeln zeigten1)• Ist es nun auch nicht zu entscheiden, ob diese Malereien von jüdischen oder christlichen Künstlern ausgeführt worden sind, so scheint es doch sicher, dass die gemalten Glasfenster der Kölner Synagoge, die Darstellungen von Löwen und Schlangen zeigten (in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts), von jüdischen Künstlern gefertigt wurden, da es sonst keinen Sinn gehabt haben würde, dass R. Eljakim, der die Malereien aus religiösen Gründen wieder entfernt haben wollte, sein Verlangen u. a. auch damit motivierte, dass der Jude nach dem Talmud die Malerei nur betreiben darf, um sich eine Fertigkeit darin zu verschaffen, die Produktion bleibender Bilder aber ihm nicht erlaubt sei2). Den Schmuck der Synagogenwände bildeten übrigens in alter Zeit hauptsächlich nur Inschriften, wie Benjamin von Tudela 1170 an den Säulen der Synagoge von Bagdad Psalmverse angebracht fand und die Wände der 1357 erbauten Synagoge des Abulafia zu Toledo den 80. Psalm zeigten. Später im 16. Jahrhundert las man sogar ganze Pjutstücke an den Synagogenwänden. Dass diese Arbeiten von Juden ausgeführt wurden, ist sicher, da die Schreiber, ohne sich durch den Einspruch der Rabbiner beirren zu lassen, ihre Namen unter diese kalligraphischen Leistungen setzten3). Ab und zu hören wir wohl auch noch aus späterer Zeit von Anbringung anderer Malereien in Synagogen, aber nur in einem Falle wird dabei gleichzeitig auch berichtet, dass solche einen Juden zum Urheber hatte. Dies war in Prossnitz gegen Ende des 16. Jahr4־ hunderts der Fall, wo ein Gemeindemitglied den Thürflügel der heiligen Lade mit einer Menorah-Zeichnung versah, die das allgemeine Wohlgefallen der Gemeinde erregte, während es Unwillen erweckte, dass der Künstler auch seinen Namen darunter setzte4). Wo wir aber sonst noch von Synagogenmalereien hören (Kaufmann a. a. O.) findet sich nirgends eine Angabe über die Urheber derselben vor. Nur einmal bezeugt Wagenseil5), dass ein christlieh er Maler ״in einer vornehmen Teutschen Stadt, wie er mit Blumen, Palmzweigen, hebräischen Sprüchen und Verbrennung dess Tempels, zu Jerusalem eine Synagog bemahlet, da er dann heimlieh inwendig in ihrem Oren oder Heil. Schrank, wo die Gesetzbiieher verwahret sind, mit Oelfarbe eine Sau gemahlet, und hernach mit Wasser-Farbe etwas darüber, welche Wasser-Farbe leicht- ף Leicht i. d. Mitth. d. Vrn8 f. d. Gesch. d. Stadt Meissen. II. S. 451. 2) Löw, Beitr. z. jüd. Altertumskunde I. S. 33. 3) Zemach Zedek No. 50י nach Löw, a. a. 0. I. S. 32. 4) Löw, a. a. 0. I. S. 3L 5) Dissertat. de Infuhdibulo Norimb. S. 71 (nach Schudt a. a. O. II. S. 124.)