Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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49 als Bauinspektor des Tempels in Paris thätig * *), und um die Mitte des 19. Jahrhunderts arbeitete dort der aus Florenz gebürtige Architekt Marc Treves, der später wieder dahin zurückging und dort in Gemeinschaft mit einem christlichen Architekten die prachtvolle neue Synagoge erbaute. Auch eines anderen jüdischen Architekten, des 1831 zu Oels geborenen Edwin Oppler, möge hier, trotzdem er der Neuzeit angehört, gedacht sein, da die Allg. Deutsche Biographie (XXIV. S. 404 f.) von ihm sagt: ״Eine Spezialität in der künstlerischen Thätigkeit Oppleris bildete der Bau von Synagogen, bei welchen er von dem bisher beliebten arabisch-maurischen Stil abging und dafür den Rundbogenstil mit spätromanischen oder frühgotischen Details einführte. Sein erster Bau der Art war die Synagoge zu Hannover. Ihm folgten jene zu Breslau, Schweidnitz, Hameln, Bleicherode und der (1887) noch nicht ausgeführte Entwurf zu der Synagoge in München“. Oppler arbeitete erst in Paris und dann in Hannover, wo er auch von der Königin Marie mit dem inneren Ausbau und der Dekoration der Marienburg betraut wurde. ״Er führte diese Aufgabe glänzend durch und hob dadurch nicht unwesentlich das Kunstgewerbe in Hannover überhaupt. König Georg belohnte ihn für die Leistung mit Verleihung des Bauratstitels“. Oppler starb ״im besten Mannesalter, in voller Kraft, mitten in einer weit umfassenden künstlerischen Thätigkeit am 6. September 1880“. Seine weiteren Arbeiten finden sich am angegebenen Ort verzeichnet. Wenn wir von den in der Gegenwart in Rumänien herrschenden Verhältnissen auf ähnliche in früheren Zeiten zurückschliessen dürfen, so haben dort jedenfalls die Juden ihre Synagogen selbst erbauen können, da die Anzahl der jüdischen Maurer und Zimmerleute allein in Jassy nach dem Bericht der Alliance vom 10. Juni 1901 gegenwärtig mehr als 5000 beträgt. Was die übrigen bildenden Künste anlangt, so mangelte es den Juden fast ganz an der Anregung, sich denselben zu widmen, da der Grund aller Kunst, das religiöse Bedürfnis hierzu nur in geringem Grade bei ihnen vorhanden war; wenn auch, wie dies Kaufmann (Zur Geschichte der Kunst in den Synagogen) nachgewiesen, der angebliche Hass der Synagoge gegen alle Kunst eine Fabel ist. Was zunächst die Anwendung der Malerei zur Aus- Schmückung von Synagogen im Mittelalter anlangt, so hören wir, dass die Wände der 1750 nach angeblich zwölfhundertjährigem Bestehen, zerstörten Synagoge von Sens mit farbigen Darstellungen aus dem Kreise der jüdischen Zeremonien geschmückt waren2), ף Kahn, Le Comite de Bienfaisance. S. 213. *) Gross in Rev. d. Etudes Jnives VI, S. 169.