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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 1 (1902) Heft IX · p. Seite 47

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
1 (1902) Heft IX
Date
1902-01-01
Page
Seite 47 (sequence 52)
Language
German
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47 dortigen Juden unterlagen. Berichtet doch auch Rülf, der 1882 in Wilna war, von dort: ״Alle Baugewerke sind in den Händen der Juden. Nur hier und da trifft man einmal auf einen ehristliehen Bauhandwerker. An allen den Synagogen- und Anstaltsbauten mit ihrer reichen Ausstattung hat sicher kaum ein nichtjüdischer Handwerker noch Arbeiter teilgenommen. Aber auch an den neuesten Kirchenbauten haben Juden mitgeholfen.“ .. . ״Auch zu den Dacharbeiten — das habe ich mit meinen eigenen Augen zu sehen Gelegenheit gehabt — werden vorzugsweise die Juden herangezogen. Wenn die Kirchenkuppel mit Zink zu überziehen und mit lebhaft blauer oder grüner Oelfarbe zu bemalen, wenn der Goldglanz des gewaltigen Knopfes und Kreuzes wieder aufzufrischen ist, so muss immer ein Jude da hinauf, welcher das Wagestück übernimmt und ausführt.“1) Nur von einem einzigen jüdisch-polnischen Baumeister aus früheren Jahrhunderten weiss Bersohn 2) zu berichten: Hillel Benjamin aus Lasko der in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts zur Regierungszeit des letzten Polenkönigs, Stanislaw August, die Synagoge von Lutomiersk erbaute. Nach Vollendung derselben wurde er mit der Erbauung eines Gotteshauses in Zloczow betraut, welches er jedoch nicht zu Ende führte, da er bei der Untersuchung des Dachgefüges zu Boden stürzte und verstarb. Bersohn vermutet, dass Benjamin seine Kunst in Deutschland erlernte; doch will dies nicht sehr wahrscheinlich erscheinen, da es wohl vor dem Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland kaum einem Juden möglich gewesen sein dürfte, sich in der Baukunst dort auszubilden. (Ebenfalls auf einem Irrtum, hervorgerufen durch falsche Uebersetzung der betreffenden Stellen bei David Gans, beruht es auch, wenn Basnage (V 2071) Simon Ginzburg (gest. 1586) und Benjamin von Tudela (gest. 1173) als Mathematiker und Architekten bezeichnete.) Was aber der Vermutung, dass die spanischen Synagogen wirklich von jüdischen Baumeistern erbaut wurden, einen hohen Gr^d von Wahrscheinlichkeit verleiht, ist der Umstand, dass sie, wie Direktor Frauberger3) sagt, in vielen Einzelheiten von den gleichzeitigen, verwandten arabischen Bauten abweichen, ״was den Architekten Franz Pascha, dem seinerzeit die Konservierung sämtlicher Moscheen in Kairo übertragen war, der daselbst auch das arabische Museum gründete, und der als der tüchtigste Kenner des arabischen Stiles gelten kann, veranlasste, diese Bauart in seinem bei Bergsträsser erschienenen Werke über die Kunst des Islams .... den 1l Rülf, a. a. 0. S 40f. 2) Bersohn, a. a. 0. S. 182 f. 8) In dem eben erschienenen II. Heft der Mitt. d. Gesellschaft znr Erforschung jüd._Kunstdenkmäler. Frankfurt a. M. Okt. 1901. S. 43.

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