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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 1 (1902) Heft IX · p. Seite 46

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
1 (1902) Heft IX
Date
1902-01-01
Page
Seite 46 (sequence 51)
Language
German
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46 und Stuckateure befanden. Auch in Italien scheint es im 15. Jahrhundert, wenigstens in Sicilien viele jüdische Zimmerleute gegeben zu haben, da im Jahre 1451 der jüdische Zimmermann Joseph Caschisi, der sich beim Bau des königlichen Palastes in Palermo ausgezeichnet hatte, zum Zunftmeister aller jüdischen Zimmerleute in Palermo ernannt wurde.1) Im 16. Jahrhundert (von 1578—1589) aber finden wir einen Juden Abraham Colorni (oder Colorno) als Ingenieur des Herzogs Alfonso von Tferrara thätig, den sein Zeitgenosse Tommaso Garzoni (gest. 1589) rühmt ״als erleuchtet von der Wissenschaft der Mechanik, stellt Gerüste her zur unvorhergesehenen Reinigung aller tiefen Mauergraben, Nachen von geringem Gewicht, mit gleichkommender Wirkung und andere wunderbaren Dinge, kunstvolle Leitern, vermöge welchen man in aller Heimlichkeit mit einem Ruck bis auf den Turm von Babel gelangen kann, geheime Laufgräben, durch welche zum höchsten Erstaunenganze Regimenter sich schnell in Sicherheit bringen könnena .... ,,ersinnt täglich irgend eine nützliche Seltsamkeit, z. B künstliche Modelle, um Wasser in die Höhe zu schaffen und unglaublich schwere Gewichte zu heben, die Drehung der Mühlen zu erleichtern und tausend andere ähnliche Dinge“. . . Colorni war übrigens auch Erfinder einer Büchse, welche, ein einziges Mal geladen, 10 Schüsse abgab und von welcher er für Alfonso 2000 Stück angefertigt haben soll2). Hatte Colorni nur Nachen erbaut, so wird noch ein anderer Jude als Erbauer von Galeeren genannt, den Ludov. di Barthema im Jahre 1507 in Calcutta an traf, und von dem er in seiner Reisebe3chreibung (C. 32. S. 332.) berichtet: ,,Es war auch ein Jud da, ein trefflicher Meister Schiff zu machen, der hatte eine schöne Gallee gemacht, und vier Büchsen von Eisen daran. Zwar dieser Jud wollte sich eines Tages in einem Wasser- Graben waschen und ertranck da.“3) Auffällig ist es, dass bei Aufzählung der zahlreichen Gewerbe die im 16. Jahrhundert in Polen von den Juden betrieben wurden (S. 0. S. 14), Maurer und Zimmerleute nicht genannt werden, und solche auch in den beiden folgenden Jahrhunderten dort nicht nachweisbar sind, während solche im 19. Jahrhundert dort um so zahlreicher waren. Giebt doch der statistische Kalender des Königreich Polen auf das Jahr 1856 die Anzahl der dortigen jüdischen Maurer (ohne Warschau) auf 1973, der jüdischen Zimmerleute auf 481, Schlosser 1289, Glaser 2591, Dachdecker 74 und der jüdischen Klempner auf 1252 an, und dies trotz der Beschränkungen, denen damals die נ) Bartholomäus u. Jos. Lagumina in Documenti per servire alla Stosia di Sicilia. Palermo 1884—92, nach Oestr. Wochenschrift 1897, S. 490. 2) Steinschneider, in Wochenschrift f. Gesch u. Wissensch. d. Judenth. XLIII. S. 185 ff. Schudt, a. a. 0. IV. s. S. 13.

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