Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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45 sächlich erst in Folge der Kreuzzöge auferlegt wurden, und z. B. von den Juden in Köln bekannt ist, dass sie im 11. Jahrhundert auch Schmiede und Schlösser waren, auch Landbau und Schiffahrt betrieben.1) Noch im Jahre 1338 wird unter den jüdischen Bürgern von Nürnberg, die in dem dortigen alten Bürgerbuch verzeichnet waren, ein ״Josep der steinhawer“ aufgeführt, und ebenso in einem weiteren Verzeichnis über die Aufnahme in das dortige Bürgerrecht ein ״Elis, fab er de Lapide“ genannt.2) Diese Steinhauer dürften allerdings in der Hauptsache wohl nur die Grabsteine ausgeführt haben. Solche jüdische Grabsteinhauer dürften sich in der Folge wohl auch in anderen deutschen Gemeinden vorgefunden haben, und hören wir wenigstens von Fürth, dass im Jahre 1820 zwei Grabsteinhauer zu dem Personalstand der dortigen Gemeinde gehörten.3) Von Spanien darf aber wohl vermutet werden, dass dort die Juden ihre Synagogen selbst erbaut haben, da Wagenseil in der Hoffnung der Erlösung Israelis (Edit. 1704 S. 241.) sagt: ״Sich selbsten aber haben sie (Spanien und Portugal durch die Austreibung der Juden) ohnbeschreiblichen geschadet, indem sie, wie annoch zu sehen, ihre Reiche verödet und in einen schlechten Stand gesezet. Der ganzen Christenheit haben sie Leid und Unheil zugefüget, indem die geflohenen Juden die Bereitung der Canonen, Büchsen, und anderer Kriegs-Waffen, des Schiess־ Pulvers, die Befestigung der Städte und Schlösser, und andere, den Ungläubigen bishero verborgen gewesene Künste, mit sich hinweg gebracht, und die Feinde des Christlichen Nahmen, zu unserem ewigen Nachtheil, in solchen unterrichtet.“ Als Baumeister der 1357 erbauten Synagoge des Don Samuel Abulafia-Levi in Toledo wird auch, wenn auch vielleicht nur irrtümlich, ein Jude: Rabbi M eir Abdeli genannt.4) Aehnlich wie mit Spanien verhielt es sich auch mit Portugal, wo sich die Juden bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts in gewerblicher Hinsicht grösserer Freiheit erfreuten, als in den meisten anderen Staaten, und sich dort zu dieser Zeit nachweislich unter ihnen auch Maurer, Zimmerleute, Tischler und Schmiede befanden.5) Diese Gewerbe dürften die spanischen und portugiesischen Juden wohl auch noch Jahrhunderte lang weiter betrieben haben, da sich, wie wir oben (S. 14) bereits gesehen haben, unter den Marranen in Mexiko zu Ende des 16. und Beginn des 17. Jahrhunderts noch Zimmerleute, Steinhauer י) Brisch, Gesch. d. Juden in Köln. I. S 24. 2) Würfel, Nachr. v. d. Juden Gern. Nürnberg. Nürnberg 1755. S. 43 u. 46. 8) Barbeck, Gesch. d'. Juden in Nürnberg u. Fürth. S. 89. 4) Allg. Zeit. d. Judent. 1899. S. 526. S. auch weiterhin S. 47. 5) Kayserling, Gesch. d. Juden in Portagal S. 69 (nach Orden AfFons. Liv. II. Tit. 67).