Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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44 dahin erlassen: ״Es ist schon früher unerlässlich befunden worden, Euch Juden die Ausübung der Handwerke samt und sonders zu verbieten. Obwohl von dieser schon lange bestehenden Anordnung nicht abgegangen werden kann, so war weder bei deren Erlass, noch jetzt gemeint, dass ihr nicht dasjenige verfertigen dürftet, was ihr für Mitglieder eures Glaubens braucht, sondern ist darunter zu verstehen, dass ihr nicht für Christen arbeiten, bauen, zimmern, schmieden, nähen oder was sonst immer Namen haben mag, sollet. Ihr dürft also für euch und eures Gleichen nähen,, gerben, Brot backen, Bier brauen, schmieden, Fleisch hauen, weben, zimmern bauen, hämmern, oder wie sonst heisst oder Namen hat. Es haben. Eure Aeltesten dafür zu haften, dass keiner die von Euch verfertigten Sachen an Christen verkaufe, in welchem Falle das durch Eure Hände zu Stande Gebrachte nicht nur weggenommen, sondern noch überdies unnachsichtlich mit der Strafe belegt werden soll, womit solches bis jetzt verpönt gewesen.“1) Trotz dieser Be- Schränkungen finden wir an der Wende des 16. Jahrhunderts doch noch 2 jüdische Baumeister in Prag arbeiten: Juda Goldschmied de Herz, einen Architekten, nach dessen Plänen, wie aus dessen Grabstein auf dem alten Prager Friedhof hervorgeht, der ganze Bau der dortigen Pinkäs Synagoge und ein Teil der Meiseisynagoge aufgeführt wurde, und einen anderen, älteren Architekten Herz, der auf der verstümmelten Inschrift eines anderen dortigen Grab- Steines genannt wird: ״Erbauerder ״hohen Synagoge“ “, die ebenfalls von Meisel begründet wurde.2) Später findet sich in Prag nur noch ganz vereinzelt der Grabstein eines jüdischen Zimmermannst Anschell, der dort 1655 starb,3) während Anzeichen dafür sprechen, dass um die Mitte des 18. Jahrhunderts sich wieder mehr Bauhandwerker in Prag befunden haben müssen, da die Hofkanzlei, die, wie sie selbst sagt: ״allezeit dafür gewesen, dass die Judenschaft ausE. M.K. Böhm. Erbländern womöglich hinausgebracht oder doch auf eine unschädliche und das Publikum nicht beschwerende Anzahl reduziert werden möchte“ in ihrer Denkschrift an die Kaiserin vom 17. Dez. 1744 doch sagen muss: ״Weiter hat die Judenschaft“ . . . ihre eignen Apotheken, jüdische Medicos, und alle Handwerker und professiones, wie sie Namen haben, ausser Schwertfeger und Bierbrauern.4) Ob es auch in Deutschland im frühen Mittelalter jüdische Baubeflissene gegeben, ist nicht zu ermitteln, ausgeschlossen erscheint es aber nicht, da den deutschen Juden die schweren Berufsbeschränkungen haupt- ג) Ebendas S. 128. 2) Popper, a. a. 0. S. 368. 3) Ebendas S. 357. 4) Wolf, Die Vertreib, d. Juden aus Böhmen, im Jhrb. f. d. Glesch, d. Juden. IV. S. 159 u. 164.