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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 1 (1902) Heft IX · p. Seite 42

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
1 (1902) Heft IX
Date
1902-01-01
Page
Seite 42 (sequence 47)
Language
German
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42 Und heisst es doch am Schlüsse eines um 1704 angefertigten Inventars der heiligen Geräte der Synagoge zu Kremsier: ״und andere Gaben, frommer Frauen Hände Werk.“1) Einige jüdische Frauen haben sich aber auch durch wahrhaft künstlerische Leistungen auf diesem Gebiet einen Namen erworben, wie die aus Königsberg stammende Karoline Goldschmidt, deren Stickereien ״die vier Jahreszeiten“ nach Meils Zeichnung auf der Berliner Gemäldeausstellung allgemeinen Beifall fanden und die Veranlassung gaben, dass sie 1806 zum ausserordentlichen Mitglied der dortigen königlichen Akademie ernannt wurde2). Auch der sich auf dem gleichen Gebiet auszeichnenden, ebenfalls aus Königsberg stammenden Angelica Friedländer ist hier zu gedenken.3) Auch an den Bestrebungen, die längere Zeit in Verfall geratene Stickkunst wieder aufblühen zu lassen, hat eine Jüdin, Emilie Bach (ca. 1840—1890), in hervorragendem Masse teilgonommen. Sie war die Begründerin und spätere Leiterin der kaiserlichen Fachschule für Kunststickerei in Wien. Unter anderm führte sie im Verein mit ihrer Tochter die Restauration des bekannten Prachtbettes der Kaiserin Maria Theresie aus. Sie war auch als Fach- Schriftstellerin thätig und wurden ihre Leistungen durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone anerkannt.4) Hin und wieder setzten übrigens die jüdischen Stickerinnen, wenn sie gleichzeitig auch die Schenkgeberinnen waren, oder ihre Arbeiten für den eignen Familiengebrauch bestimmt waren, auf diese auch ihren Namen. So findet sieh auf einem in meiner Sammlung befindlichen, für den Gebrauch an den Sederabenden bestimmten Handtuch (Leinenstickerei mit der Darstellung von Adam und Eva und hebräischen Segenssprüchen) die Aufschrift: נעשה ונמר יוסח יח אדר שנת תקמא לפק באוברצעל גהערט אסתר בת עזריאל. Auf einer Thorawimpel der im Washingtoner National-Museum befindlichen Kollektion Benguiat (Seidenstickerei mit Blumen und hebräischer Inschrift, Num. XVII, 231 besagt die bezügliche Auf- Schrift: ״Gestickt als ein heiliges Werk durch die Hand von Magdalene Bassan im Jahre 5496“ (1736). Auf einer ganz ähnlichen Wimpel der gleichen Sammlung nennt sich aber ganz ausnahmsweise auch eine gewerbsmässig arbeitende Stickerin: ״Diese heilige Decke ist gefertigt von Simcha, der Frau des Levy Hai aus Buttrio (Italien), im Jahre 5457 (1697), und war angekauft von Phineas Veneziani und dessen Brüder.“5) Frankl-Grün, a. a. O. I. S 154. 2) Jolowicz, a. a. 0. 102. J) Ebendas. 8 101. 4) Ailg. Zeit. d. Judent. 1890. No. 19. 5) Report of the U. S. National Museum for 1899, S. 546. (Separatab druck. Washington 1901.)

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