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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 1 (1902) Heft IX · p. Seite 40

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
1 (1902) Heft IX
Date
1902-01-01
Page
Seite 40 (sequence 45)
Language
German
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40 noch Jakob Sonnenthal zu nennen, der in seiner Geburtsstadt Jessnitz (Anhalt) die Weberei erlernte, dann sich nach Berlin wandte, um sich dort in der Seidenweberei und an der Akademie im Zeichnen zu vervollkommnen und später, trotzdem er seinem Glauben treu blieb, in Stuttgart Anstellung als königlicher Techniker der Zentralstelle im Ministerium für Handel und Gewerbe fand. Er starb, erst 27 Jahre alt, 1855 in seiner Geburtsstadt1.) Fabrikmässig aber wurde die Seidenweberei in Deutschland öfter betrieben, wie ja die erste Seidenfabrik in Potsdam 1730 von David Hirsch Präger begründet wurde, dessen Beispiel so viel Nachfolge fand, dass in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Berlin noch 6 weitere solche Manufakturen von Juden errichtet wurden2). Schliesslich muss hier noch der jüdischen Talisweber gedacht werden, die in Wilna heute noch eine eigene anerkannte Zunft bilden3). Was nun die Stickkunst anlangt, so gehörte sie zu den wenigen Gewerben, deren Ausübung den Juden hin und wieder durch Gesetze erlaubt war. So war dies der Fall in Berlin durch das Reglement vom 2ö. Sept. 1730 und in Fürth durch das Privileg vom Jahre 1719. An beiden Orten fanden sich daher auch jüdisehe Sticker vor. So wird in dem Verzeichnis der sich unvergleitet in Berlin aufhaltenden Juden vom Jahre 1684 ein ״Seyden- Sticker Berendt“ aufgeführt4), und wenig später lebte daselbst der Hof-Gold- und Silbersticker Salomon Isaac, dessen Tochter das Glück hatte, am Tage der Einweihung der Gemeindesynagoge ״in hoher Gegenwart der königlichen Herrschaft und einer grossen Menge Zuschauer als das erste Paar getraut zu werden.“5) Im Jahre 1737 gab es aber in Berlin nach dem Protokoll der Judenkommission 5 jüdische Sticker. Von Führt hingegen kennen wir nicht nur den Namen eines dortigen jüdischen Stickers, sondern wissen auch durch Würfels Bericht etwas von seinen Arbeiten. Nach diesem Bericht fand sich zu Würfels Zeit (um 1754) in der dortigen 1616 erbauten Hauptsynagoge ein sehr kostbarer Thora Vorhang samt Thoramäntel vor, die von dem dortigen Vorbeter Elkone für die ״Judengemeinde nach Amsterdam“ gefertigt wurde. ״Weilen sie aber zu kostbar ausfielen, so hat sie die Amsterdamer Gemeinde wieder zurück gesendet. Nacbmalen haben es die Gumberts in Fürth an sich erkauft um 1200 Gulden, und aus generosite zur alten Haupt-Schul gestiftet•.“6) *) Allg. Zeit d. Idnt. 1855. 5. 55. ־) Geiger, a. a. 0. II. S. 77 u. 93. 3) Rülf, a. a. 0. S. 43. *) Geiger, a. a. 0. II. S. 14. 4 Ebendas S. 47. G) "Würfel, Nachricht von der Judengenieinde Fürth. Frankfurt u. Prag. 1754, S. 26.

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