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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 1 (1902) Heft IX · p. Seite 39

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
1 (1902) Heft IX
Date
1902-01-01
Page
Seite 39 (sequence 44)
Language
German
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39 Grabes am PflDgstfeste. Die Teppich- und Tapetenweberei wurde im Altertum von den Juden übrigens nicht bloss handwerksmässig, sondern künstlerisch betrieben, denn am Ende des 4. Jahrhunderts spricht der Dichter Claudianus (Im Eutropium I. 357) von jüdisehen Geweben mit Malereien, die nach dem Zusammenhang der ganzen Stelle im Genro Böcklin’s gewesen zu sein scheinen. Aber auch die alexandrinischen Teppiche mit bunten Tierbildern, von denen 6 Jahrhunderte früher Plautus (Pseudolus, Act. I. 147) spricht, scheinen jüdisches Fabrikat gewesen zu sein1)• Von Theben berichtet Benjamin von Tudela (1159-1173), dass er dort 2000 Juden fand, welche die besten Arbeiten in Seide und Purpur im ganzen griechischen Reiche fertigten, und meldet auch von jüdischen Seidenarbeitern, die er in Konstantinopel antraf. Von Rom hören wir, dass 1588 der aus Venedig eingewanderte Jude Magino di Gabriele eine Schrift über den Nutzen der Seidenzucht veröffentlichte, nachdem er ein Jahr früher bereits vom Papst Sixtus V. ein Privilegium auf 60 Jahre erhielt für ein von ihm erfundenes Verfahren, zweimal im Jahre von den Seidenraupen Seide zu gewinnen, und ihm auch gestattet wurde, 15 Jahre mit seiner Familie ausserhalb des Ghettos zu wohnen2). Von jüdischen Seidenwebern späterer Zeit berichtet auch J. B. Tavernier, der solche in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Persien antraf: ״Die meisten Einwohner zu Lara sind Juden, welche in Seide arbeiten und allerlei Sachen verfertigen, namentlich schöne Leibbinden, welche diese Stadt berühmt machen3)“. Aus der gleichen Zeit berichtet H. Ludolf in seiner Historia aethiopiea (1681 und 1693)4) von den abessinischen Juden, dass sie ״Baumwollenweberei treiben, auch gute Schmiede sein und sonderlieh gute Spiesse und Waffen verfertigen.“ Da übrigens Andree (a. a. 0. S. 232 f. u. 218) aus der Gegenwart ebenfalls von jüdischen Seidenspinnern und Webern in Persien und Bagdad berichtet, darf, da im Orient ja alle Verhältnisse Jahrhunderte lang stationär zu bleiben pflegen, wohl angenommen werden, dass es demnach in Persien seit dem 17. Jahrhundert bis heute immer jüdische Seidenarbeiter gegeben hat. In Deutschland dürfte die Kunstweberei nur in ganz vereinzelten Fällen von Juden betrieben worden sein, wie wir von einem solchen durch ein 1786 von dem Senat der Universität Jena eingefordertes Gutachten Kenntnis erhalten, in welchem es sich um ״die Ansetzung einer oder ein Paar Judenfamilien in Jena, die keinen Handel, sondern Kunstweberei treiben“, handelte5). Aus neuerer Zeit ist als Seidenweber *) Oesterr. Wochenschrift 1899. S. 820 (8. das. auch die Quellen). 2J Berliner, Gesch. d. Jud. in Rom II. S 23. :1) Schudt a. a. 0.1. S. 33 und II. S. 173 (8. das auch die Quellenangabe). 4) Ebendas. II. S. 172. 5) Monatsschrift f. Gesch. u. Wiss. d. Judenth. 1898 S. 473 ff.

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