Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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38 gesprochen wird, so dürfen wir doch vielleicht auch Kupferschmiede hierunter vermuten. Für bestimmte religiöse Zwecke bedienten sich die Juden aber auch irdener Geräte, und auch diese wurden, wie wir wissen, teilweise von Juden slbst angefeertigt. Wir finden wenigstens in Italien, wo zur Zeit der Renaissance die Kunsttöpferei in höchster Blüte stand, Juden im 16. und auch noch im 18. Jahrhundert, dieses Kunsthandwerk betreiben. Vier Sederschüsseln, die sich im Museum der ״Gesellsehaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums“ befinden, tragen die Marken solcher Künstler: Jakob Azulai, Padua 1532; Mose Fano, Urbino 1556; Jizchak Azulai, Faenza 1575; und Jakob Azulai, Pesaro 17301). Bei einer weiteren solchen Sederschüssel, die sich in der Englisch-Jüdischen Ausstellung (1888) zu London befand, ist die Marke leider nicht bekannt gegeben2). Aehnlieh wie mit den Metallarbeiten verhielt es sich auch mit den Webereien und Stickereien, deren man für die Bekleidung des Thoraschrankes und der Thorarollen bedurfte. Auch diese dürften zum grossen Teil von Juden hergestellt worden sein. Soll ja die Seidenweberei, durch den Jerusalemisehen Exulanten Baruch, der die Kunatweberei der Vorhänge für den Tempel verstanden, eine Kunst, die in seiner Familie heimisch war — in Spanien eingeführt worden sein, nachdem Titus ihn einem Prokonsul in Merida zugeschickt haben soll3). Dort trieben die Juden die Seidenweberei auch noch im 10. Jahrhundert, und gelangte zu dieser Zeit Jakob Ibn G’au dadurch zu Ansehen und Macht, dass er und sein Bruder Joseph für den Hof kostbare Seidenstoffe und Kriegsfahnen mit kunstvoll eingewebten arabischen Sinnsprüchen, Emblemen und Verzierungen lieferten. Ihre Seidenwebereien wurden bewundert und gesucht4). Auch von Phrygien vermutet Renan, dass die Teppichfabrikation und andere Industrien von den Juden aus Babylon eingeführt wurde, und Zierbarth (Griech. Vereinswesen) meint gar, dass die Zünfte der Purpurfärber und Teppichweber in Hierapolis (Phrygien) ganz jüdisch gewesen seien. Eine der dortigen noch erhaltenen Grabschriften (ca. 200 n. Ohr.) besagt auch, dass Publius Aelius Glykon, Sohn des Zeleukos, dem »geehrten Vorstande der Purpurfärber 200 Denare Kranzgeld“ vermacht, ״um von den Zinsen sein Grab am Feiertage der ungesäuerten Brote im 7. Monat zu schmücken“, ferner der Zunft der Teppichweber 100 Denare Kranzgeld zur Schmückung des ף I. Jahresbericht. Wien. 1897. S. 49. 2) Cat. Nr. 1697. Das. findet sich auch eine Abbild, der Schüssel. 3 Prager jüd. Töpfer (1710—1756) werden auch von Popper (a.a.O.S.357) benannt. 3) Graetz a. a. 0. V. S. 69. 4) Ebendas. VI. S. 328.