Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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37 fanden sich, wie oben (S. 14) bereits bemerkt wurde, im Anfang des 16. Jahrhunderts jüdische Zinngiesser und Kupferschmiede in Polen vor, während sich dort (ohne Warschau) 1857 noch 18 solcher Zinngiesser vorfanden1). Von Odessa wird berichtet, dass 1842 dort 34 jüdische Zinngiesser und Blechschmiede mit 36 Geseilen arbeiteten2). In Schlesien betrieben nach Wolf3) die Juden 1751 neben anderen Gewerben auch das Messinggiessen, und von jüdischen Gelbgiessern, die gegenwärtig in Stanislau leben, berichtet Landau’s ״Unter jüdischen Proletariern“ (S. 26). Von einem solchen jüdischen Gelbgiesser, der ein wahrer Künstler in seinem Fache war, erfahren wir durch Bersohn4). Er hiess Baruch und lebte am Anfang des 18. Jahrhunderts in dem polnischen Städtchen Pohrebyszcze, wo er sich von dem Ausbessern von Metallgeräten kümmerlich ernährte und auch öfter für die dortige katholische Kirche Arbeiten ausführte. Baruch hatte die Gewohnheit, in den Häusern, wo er arbeitete, die Abfälle von Messing für sich zu erbitten und für seine Ersparnisse zerbrochene und unbrauchbare Messinggeräte zu kaufen. Befragt, wozu er dies thue, antwortete er: wenn er das nötige Metall beisammen habe, wolle er für die Synagoge ein Kunstwerk eigner Arbeit stiften, das noch die ferne Nachwelt bewundern solle. Baruch hielt sein Versprechen. Nach achtjährigem Sammeln, konnte er seine Arbeit beginnen, und nach weiteren 6 Jahren war er mit seinem Werke fertig: 2 Messingleuchter, der eine tafelförmig, der andere in Menorahform, der als Chanukkahleuchter dienen sollte. Beide, noch heute in der dortigen Synagoge befindliche Leuchter (s. die Abbildungen a.a.O.S. 157f.) sind ein gutes Beispiel für das, was oben über den jüdischen Kunstjargon gesagt wurde. Ein Vergleich dieser Arbeiten mit der in der gleichen Synagoge befindlichen heiligen Lade (s. die Abbildung a. a. O.S. 178) legt übrigens die Vermutung nahe, dass Baruch dem Entwurf zu derselben nicht ganz fern gestanden haben mag. Werden auch unter den Gewerben, welche gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Juden in Portugal betrieben, nur Schmiede im allgemeinen genannt5), ebenso wie in den Berichten über die 1492 aus Spanien vertriebenen Juden (S. 0. S. 13) und den der Inquisition im 16. Jahrhundert in Mexico zum Opfer gefallenen Marranen (S. 0. S. 14) nur von ״Metallarbeitern aller Art“, respekt. von ״workers in stone and metal“ im allgemeinen J) Statist. Kalender f. d. Königr. Polen. 1867. 2) Orient. 1844. S. 224. 3) Zeitschrift f. d. Gesch; d. Juden in Deutschland. IV. S. 197. 4) Bersohn, Einiges über d. alt. Holzsynagogeu in Polen, in d. Mitt. d. Ges. f. jüd. Volkskunde. VIII. S 177. 5) Ord. Affons. Liv. II. Tit. 67 (nach Kayserling, Gesch. d. Juden in Portugal. S. 59).