Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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27 Br starb den 19. März 1845. Sein am 7. März 1825 geborener Sohn Wolff Nathansen (dem wir diese Aufzeichnungen verdanken) erlernte die Kunst von seinem Vater und war 40 Jahre lang ebenfalls in Hamburg mit Erfolg als Graveur, Stempel- und Steinschneider thätig, übernahm dann die Verwaltung der Rapp’schen bez. Tesdorpfsehen Sammlungen von Hamburgensien, deren Verwalter er auch blieb, nachdem diese Sammlungen in den Besitz des dortigen Museum für Kunst und Gewerbe übergegangen waren. Er starb am 26. Sept. 1899. In dem zwischen 1823 und 29 in Hamburg arbeitenden Petschier- und Kupferstecher B. Nathansen dürfen wir wohl einen Sohn des Jacob Nathansen vermuten. Das Hamburgische Künstlerlexikon nennt übrigens auch noch einen am 24 Aug. 1844 gestorbenen Graveur, Steinschneider und Kupfer- Stecher Eduard Nathansen, der vermutlich ebenfalls dieser Familie angehört haben dürfte. Auch in Dresden finden wir zur Zeit August III. 2 jüdische Graveure für den Hof thätig, den Hoffäctor und Hofpetschierstecher Michael Samuel1) und den Judenältesten, Hoffactor und Petschierstecher Jephiel Michael (Abt)2). Von dem letzteren sagt Bondi3 4), dass er ״mehr als mittelmässige Kunstfertigkeit im Petschierstechen besass und nicht nur einen sehr gnädigen Schutzbrief darauf erhielt, sondern auch einen Jahresgehalt vom Hof bezog. Derselbe vererbte seine Kunst auf seinen Sohn Samuel Abt, welcher in Leipzig verstarb. Doch nicht nur bei Fürsten fanden die Leistungen der jüdischen Petschier- Stecher häufig Anerkennung, sondern sie fanden solche hin und wieder auch bei städtischen Behörden. So durfte der, vermutlich aus dem Rheinlande stammende Petschierstecher Mayer in Glogau» der das dortige Stadtwappen gestochen, dasselbe beim Festzug zur Grundsteinlegung des neuen Rathauses (24. Mai 1832) auf seidenem Kissen dem Zuge vorantragen.־*) Grössere Bedeutung in seiner Kunst erlangte auch Jean Henri Simon, dessen streitbarer Charakter und unstätes Leben unwillkürlich an Benvenuto Cellini erinnern. 1752 als Sohn des sehr tüchtigen Steinschneiders Jacob Simon in Brüssel geboren, erlernte er schon sehr frühzeitig die Kunst seines Vaters und zählte kaum 15 Jahre, als er zum Graveur des Prinzen Karl von Lothringen ernannt wurde. Mit grossem Fleiss sich seiner Kunst widmend, übte er sich daneben mit grossem Eifer im Wafifenhandwerk, in dem er bald eine bemerkenswerte Fertigkeit erlangte. Sein heissblütiges Temperament zog ihm bald mehrfach Händel mit Offizieren zu, in deren Folge 1J Lehmann, Aus alten Akten. Dresden, 1886, S. 1. ־) Lehmann, Ges. Schriften. Berlin, 1899, S 48. ») Sulamith. V. 1 S. 227. 4) Gütige Mitteilung seines Enkels, des Herrn Dr. med. Otto Mayer in Hamburg.