Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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26 So wurde der aus Frankfurt an der Oder stammende Petschier- Stecher Philipp Aaron (auch Lippmann oder Elieser genannt) von dem Herzog Christian Ludwig II. nach Schwerin berufen, wo er für diesen, der sich mit alchimistischen Studien befasste, ״sigilla mystica“ stach, die dessen vollen Beifall fanden1). Der Hofgraveur und Steinschneider M. Löser zu Güstrow aber wurde an der Wende des 18. Jahrhunderts von dem König von Schweden nach Greifswald berufen, um das königliche Wappen in Stein zu schneiden, dessen Ausführung grossen Beifall fand2). An seine Stelle sehen wir aber bald einen anderen jüdischen Graveur treten, Nathan Meyer, der 1809 den landesherrlichen Schutz erhielt und dahin priveligiert wurde, dass er sich in Güstrow niederlassen und für seine Person ohne jemands Hinderung mit Petschierstechen sein Brot verdienen, allemal aber gute und untadelhafte Arbeit verfertigen und niemanden im Preise übersetzen, noch auf einige Art und Weise vervorteilen“ . . . ״nicht minder sich aller bürgerlichen Nahrung enthalten.soll“3). War hier eben von der Berufung eines jüdischen Steinschneiders nach Schweden die Rede, so waren vor diesem dort bereits zwei andere Juden zu königlich schwedischen Hofgraveuren ernannt worden. Dieselben gehörten einer Familie an, in der sich die hier in Frage stehende Kunst ebenfalls von Generation zu Generation fortpflanzte, wie wir aus einem, diese Familie betreffenden kleinen Sammelband ersehen, der von einem Gliede derselben angelegt, sich gegenwärtig in der Bibliothek des Vereins für Hamburger Geschichte befindet. Wir erfahren daraus, dass Enoch Nathansen ״von einer alten Graveurfamilie aus Rendsburg stammend“ mit seinem Bruder Jacob Nathansen sich um 1775 in Hamburg niederliess und bald darauf zum königlich schwedischen Hofgraveur ernannt wurde. Er ging jedes Frühjahr nach Schweden, woselbst er den Sommer über verblieb, um die Bestellungen des Hofes entgegenzunehmen und auszuführen. Seine Wappengravierungen und Steinschnitte scheinen sehr geschätzt worden zu sein. Er starb 10. April 1807. Sein Bruder Jacob Nathansen junior, der später ebenfalls zum königlich schwedischen Hofpetschierstecher ernannt wurde, arbeitete mit dem Erstgenannten gemeinsam bis 1806, und dann getrennt bis zu seinem um 1816 erfolgten Ableben. Auch der 1790 zu Hamburg geborene Sohn des Enoch Nathansen: Levy Enoch Nathansen, widmete sich der Steinschneidekunst, und sind von seinen Steinschnitten besonders antique Griechen- und Römerköpfe bekannt; doch stach er auch in Kupfer. J) Donath, Gesch. d. Juden in Mecklenburg. Leipzig 1874. S. 112. ¬ד Ebendas. S. 155. ף Ebendas. S. 327 .