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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 1 (1902) Heft IX · p. Seite 25

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
1 (1902) Heft IX
Date
1902-01-01
Page
Seite 25 (sequence 30)
Language
German
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25 niss machte.“ ״Er schnitt“, heisst es weiter, ״auch sehr feine Schriften in Stein z. B., die zehn Gebote Gottes aut ein Oval, das in der Länge nicht ganz einen Zoll und in der Breite verhältnismässig noch weniger hatte. Will man auch annehmen, dass es sich nur um die entsprechenden Anfangsworte gehandelt haben mag, da ja der Künstler sonst 172 Worte auf den zollgrossen Stein graviert haben müsste, so wissen wir doch von einem anderen gleichzeitig lebenden jüdischen Steinschneider, dessen Namen leider ebensowenig auf uns gekommen, dass dieser faktisch 87 Worte auf einen Ringstein graviert hat. Adam Friedrich Geisler berichtet nämlich in seinen ״Skizzen aus dem Charakter und Handlungen Josephs des Zweiten intregierenden Kaiser der Deutschen“ (Halle 1783) 1)r Als des Kaisers Majestät in Lemberg (1773) waren, präsentierte ein Jude einen Stein, in einem Ring gefasst, worauf er die Worte gestochen hatte: ״Allmächtiger, dessen Reich über alle Königreiche ist! Der Du den König David, deinen Knecht, von aller Gefahr befreit hast, und hast einen Weg durchs Meer, und eine Brücke über die Flüsse gemacht, erhebe und mache herrlich den Namen unsers Kaisers Joseph des II. über alle Könige der Erden, wende von ihm ab alle Traurigkeit, und gieb, dass seine Feinde sich legen zu seinen Füssen, und wende alle Gefahr, und begleite ihn auf allen Wegen, dass er gütig bleibe gegen das Volk und gnädig dem Gesetz Israelis. Amen.“ Nur wenig später als Beretz, arbeitete der 1784 zu Stralsund geborene Philipp Hirsch, von dem Müllers Künstlerlexikon (1857—64) sagt: ״Er lernte bei seinem Vater, einem Israeliten, die Gravierkunst. Im 19. Jahr bezog er die Akademie zu Berlin und bildete sich drei Jahre lang unter Heil und Frisch weiter aus. Von da kehrte er in seine Vaterstadt zurück, und begab sich sofort nach Karlsruhe, wo er sich ausschliesslich mit Steinschneiden beschäftigte. Im Jahre 1813 wurde er königlich württembergischer Hofsteingraveur. Von seinen Arbeiten nennen wir die Bildnisse Königs Friedrich von Württemberg, des damaligen Kronprinzen Wilhelm, des Grossherzogs Leopold von Baden, welcher ihm dafür die Ehrenmedaille erteilte, Dannecker’s, Goethe's. Schiller’s, sämtlich in edle Steine geschnitten.“ Sahen wir in Berlin an der Wende des 17. Jahrhunderts jüdische Steinschneider und Petschierstecher ihre Kunst im Dienste des Herrscherhauses bethätigen. so fand das Gleiche auch noch im 18. Jahrhundert statt, und hören wir, dass 1741 der ״Hof-Brillanten- und Diamantenschleifer“ Moses Tobias dort einen Schutzbrief erlangt2). Auch andere Herrscher bedienten sich gern der Kunstfertigkeit dieser jüdischen Künstler. ') Kobak. Jeschurnn IV. 1864. S. 110. ר־ Geiirer a. a. O. II 8. 70.

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