Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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23 kunst: ״Ein grosser Teil der Juden zu Alexandria war bekanntermassen lange Zeit hindurch gewohnt, sich mit Edelstein schleifen und fassen zu ernähren, und sich vorsichtshalber nackend ausziehen zu lassen, wenn sie von der Arbeit nach Hause gehen wollten. Als ihnen dort das Handwerk nach und nach gelegt wurde, verbreiteten sie sich in die übrigen Provinzen des römischen Reichs, und diesen Flüchtlingen haben wir vermutlich die Handgriffe des heutzutage üblichen Steinschneidens zu danken“. Von der Kunst der Diamantenschleiferei sagt Baedeker1;, dass sie lange Zeit ein Geheimnis der Amsterdamer (und Antwerpener) portugiesischen Juden“ war und auch gegenwärtig noch sind von den in den dortigen Diamantschleifereien beschäftigten Arbeitern fast die Hälfte Juden. Von Konstantinopel wird um 1840 gemeldet, dass das Diamant- und Glasschleifen dort ausschliesslich von Juden geübt wird. Auch in Paris, wo die Diamantschleiferei jetzt in hoher Blüte steht, wurde sie 1853 durch den Juden Philipp eingeführt, der auch die bis dahin dazu benutzten primitiven Maschinen sehr verbesserte2). Doch nicht bloss nach der technischen Seite hin zeichneten sich die Juden in der Steinschneidekunst aus, sondern viele von ihnen haben auch wahrhaft künstlerische Leistungen darin aufzuweisen, was sich nur aus dem Umstand erklären lässt, dass diese Kunst sich in den Familien, wie wir weiterhin mehrfach sehen werden, von dem Vater auf den Sohn durch Generationen vererbte3), wodurch allein es ihnen ermöglicht wurde, in dieser Kunst wenigstens sich eine tüchtige Schulung anzueignen. Von einem solchen Künstler berichtet Schudt4): ״wie dann vor wenig Jahren Ihro Königl. Majestät in Preussen Friederico I. glorw. Andenck. zu Berlin dero Königl. Petschirstecher Levin Joseph ein Jud, in einem Diamanten von 25 Grän, so vor 4000 Thal, von Isaac Liebmann dem Hoff-Jubelierer erkaufft worden, das Königl. Wappen mit der Krön darauff sehr curieux und künstlieh gestochen, dergleichen wohl schwerlich wird erhört worden seyn, indem man die Diamanten wohl schneiden und schleifen, aber aus Furcht, dass sie zerspringen mögen, darinn nicht graben kann, dahero auch dieser Jud 800 Thal, für das stechen, und da der Ring fertig, noch 200 Thal er zum Praesent bekommendes ist schad, dass dieser künstliche Jud vor wenig Jahren noch ziemlich jung gestorben, sein Vatter Joseph war auch ein guter Petschier- Stecher und seines Vatters Bruder Michael, so noch zu Berlin ף Belgien und Holland. Leipzig 1885. S. 323. ־) Archives isr. 1852. :!) Daher auch der Familienname Steinschneider. ‘) A. a. 0. II. S. 173, das. auch die Abbildung des Steir