Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Danzig im 16. und 17. Jahrhundert fast den ganzen slavischen Osten mit Silbergerät versorgten1)• Es kann demnach wohl die Behauptung aufgestelit werden, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der in früheren Jahrhunderten angefertigten jüdischen Kultusgeräte jüdische Goldschmiede zu Urhebern gehabt hat; wenn auch schon der Augenschein lehrt, dass auch eine nicht geringe Anzahl solcher Geräte von christlichen Goldschmieden — häufig ursprünglich zu ganz anderen Zwecken bestimmt und erst alt von Juden eingehandelt — angefertigt wurde, ohne dass es hierfür erst eines urkundlichen Beweises bedürfte, wie ein solcher aber in dem Katalog der Sammlung Strauss von Js. Loeb in einem Falle beigebracht wurde2). Ist es ja bei jedem einzelnen vorliegenden Stück — wenigstens soweit es sich um ein nordeuropäisches handelt — leicht zu entscheiden, ob es von einem jüdischen oder von einem christlichen Goldschmied angefertigt wurde; denn da in Nordeuropa bis in das 19. Jahrhundert hinein nirgendwo ein Jude Aufnahme in eine Goldschmiedeinnung finden konnte, so ist es klar, dass jedes solches Stück, welches ein Meisterzeichen und ein Beschauzeichen trägt sicher von einem christlichen Goldschmied gefertigt sein muss; während umgekehrt solche Stücke, welche diese Zeichen nicht aufweisen, von jüdis chen Goldschmieden angefertigt sein müssen, da ein Christlicher Meister das Anbringen seines Zeichens und die Vorlage eines von ihm gefertigten Stückes bei dem Beschaumeister nicht unterlassen durfte. Freilich mag auch, wenn beide Teile ihren Vorteil dabei fanden, hin und wieder ein christlicher Meister sich dazu haben bereit finden lassen, seinen Stempel auf die Arbeit seines jüdischen Kollegen zu setzen. Uebrigens bedarf es für denjenigen, der öfter Gelegenheit hatte, ähnliche Arbeiten zu sehen, dieses Merkmals, wenigstens bei Arbeiten der späteren Jahrhunderte kaum, um mit ziemlicher Sicherheit zu sagen, ob solche von jüdischen oder christlichen Künstlern gefertigt sind, da die Arbeiten der ersteren meist einen ganz bestimmten Stil zeigen. Dieser Stil, oder richtiger gesagt dieser Kunstjargon, führt seine Entstehung auf die gleichen Ursachen zurück wie der jüdische Sprachjargon. Im frühen Mittelalter war das soziale Verhältnis zwischen Juden und Christen in Deutschland — um bei diesem zu bleiben — noch ein leidliches und der Verkehr zwischen ihnen noch friedlicher als in den späteren Jahrhunderten. Daher unterschied sich damals auch der sprachliche Ausdruck der Juden wohl kaum von dem ihrer christlichen Landesgenossen, wie dies u. a. aus den Gedichten des Süsskind von Trimberg hervorgehU und es- ף I. v. Schlosser a. a. 0. S. 239. Catalogue de la collection Strauss.