Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Sehen wir so — und die Quellen sind gewiss hier noch lange nicht erschöpft — Juden in den meisten Ländern, wo sie sich aufhielten, und fast zu allen Zeiten die Goldschmiedekunst betreiben, so will es doch scheinen, als habe es in Deutschland, wo ihnen ja jedes zünftige Handwerk überall bis in das 19. Jahrhundert hinein zu betreiben verboten war, keine jüdische Goldschmiede gegeben. Nur von Berlin meldet Geiger1) bezüglich der dortigen Juden vom Jahre 1705: ״Goldschmiede gab es unter den Juden“ und berichtet auch2), dass in diesem Jahre die Christliehen Goldschmiede über ״jüdische Konkurrenten“ klagen, während sie schon im folgenden Jahre bitten, sich der Hilfe des Krätze- Wäschers Nathan David bedienen zu dürfen, was ihnen auch erlaubt wurde unter der Bedingung, dass sie die Zeit seines jedesmaligen Aufenthalts bestimmen und Kaution für ihn erlegen wollen. Um dieselbe Zeit geschieht auch eines jüdischen Versilberers (wohl AhronEies) Erwähnung, der bei hohen Herrschaften (שרים ושרות) thätig war3). Von der Zeit um 1730 sagt auch der Bärkalender (für das Jahr. 1894), dass es damals unter den Berliner Juden nicht nur Handelsleute gab, sondern auch manche Künstler, wie Goldschmiede und Juweliere, ganz besonders aber auch Graveure und Petschierst'echer. Auch Geiger sagt (a. a. 0. I S. 43) vom Jahre 1737: ״Goldschmiede und Diamantenschleifer vertraten die Kunst.“ Dass in dem (a. a. 0. II S. 78) im Auszug mitgeteilten (offiziellen) Protokoll der Judenkommission vom 1. Juni 1737 aber keine Goldschmiede genannt sind, sondern nur 5 Goldscheider und Münzlieferanten kann nicht aulfallen, da ja den Juden die Ausübung dieses Gewerbes damals gesetzlich verboten war und mögen sich daher vielleicht die Goldschmiede offiziell als Goldscheider bezeichnet haben. Einen 1769 zu Berlin geborenen jüdischen Goldschmied John-Martin Hatzfeld finden wir übrigens 1809 als seit 10—15 Jahren in Paris arbeitend erwähnt4). Sollte es aber auch in Deutschland früher keine jüdischen Goldschmiede weiter gegeben haben, so darf hieraus doch nicht der Schluss gezogen werden, dass aus diesem Grunde die in den deutschen Gemeinden benötigten silbernen Kultusgeräte alle von christlichen Goldschmieden angefertigt worden seien. Vielmehr ist anzunehmen, dass in früheren Jahrhunderten die betreffenden Geräte aus den Centren der jüdischen Goldschmiedekunst, dem benachbarten Polen oder Böhmen bezogen wurden; wie ja auch umgekehrt, in der christlichen Welt Augsburg und besonders J) Geiger, Gesch d. Juden in Berlin. I. 8; 26. ף A. a. 0. n. s. 66. 3) Freimann’8 Beiträge z. Gesch. d. Juden in Prag (in Mekize Nirdamim). Freundl. Mitt. d. Herrn Dr. M. Grunwald. 4) Kahn a. a. 0. S. 71.