Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Isaac Netter, Salomon Meyer und Lyon Meyer1). Doch nicht blos in den europäischen Ländern sehen wir allenthalben Juden, die Goldsehmiedekunst betreiben, sondern ebenso auch in Asien und Afrika. Der nordarabisehen jüdischen Goldschmiede des 6. Jahrhunderts ist schon Erwähnung geschehen; doch scheint es nach dem, was Andree2) von den heutigen Juden Südarabiens meldet, bei der ausserordentlichen Stabilität, die im Orient in allen Verhältnissen herrscht, sehr wahrscheinlich, dass die arabischen Juden wohl immer bei diesem Handwerke geblieben sind. Andree sagt nämlich von diesen Juden: ״Sie sind sehr geschickt, namentlich im Verfertigen der Waffenzierate und kriegerischen Utensilien der Araber, und wissen diesen Dingen mitunter eine ganz elegante Form zu geben. Da die Araber namentlich mit Dolehscheiden, Pulverhörnern, Kugelbehältern, silberbeschlagenen Bandelieren, Säbelgriffen u. s. w. grossen Luxus treiben und diese Gegenstände, wenn sie es nur irgendwie erschwingen können, von Silber haben wollen, so ist besonders das Handwerk der Silberschmiede hier ein verbreitetes und vorteilhaftes. Dasselbe ist in ganz Südarabien ausschliesslich in den Händen der Juden.“ Ebenso finden sich nach Andree3) heute jüdische Goldschmiede in Dschebel Ghurian, in Bagdad und in Persien. In der Berberei waren im 16. Jahrhundert, wie Jost4) nach Leo Africanus5) und Höst6) meldet, die Juden die alleinigen Gold- .und Silberarbeiter, und ״sie sollen darin grosse Kunst beweisen und herrliche Geräte zu Markte bringen.“ Auch zu Ende des 17. Jahrhunderts fand der französische Gesandte St. Olon, wie Schudt7) berichtet, in der Stadt Marocco ״Juden in ziemlich grosser Anzahl, von denen die meisten Goldschmiede waren.“ Und in Bengasi finden sich nach Andree8) auch heute noch jüdische Gold- und Silberschmiede. In Algerien sollen zwar die Juden nach Andree (a. a. O. S. 191) heute nur Geldwechsler, Juwelenhändler, Goldspinner, Schnittwaren- und Getreidehändler, Häuserspekulanten und Pfandleiher sein, der frühere dortige Kommissar der französischen Regierung sagt aber in einem Bericht (um 1840) von den dortigen Juden: ״viele unter ihnen sind nützliche Handwerker. Schneider, Goldschmiede, Arbeiter in Metallen und Korallen giebt es viele, einige sind gute Maurer9).“ 1) Kahn, Les professions manuelles. S. 65ff, 2) Andree, Volkskunde d. Juden. S. 223. 3) A. a. 0. S. 191. 4) Jost, Gesch. der Israeliten VIII. S. 25. 5) III. 8. 52 u. a. and. Stellen. 6) Nachrichten von Fez u. Marocco. ד) A. a. 0. I. S. 90. 8) A. a. 0. S. 191. 8) Allg. Zeit. d. Judent. 1841. S. 134.