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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 1 (1902) Heft IX · p. Seite 14

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
1 (1902) Heft IX
Date
1902-01-01
Page
Seite 14 (sequence 19)
Language
German
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14 der Liste ‘) der gegen Ende des 16. und in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts in Mexico der Inquisition ״pro Judaizante“ verfallenen Marranen (Ohristianos Nuevos) neben Gastwirten, Kaufleuten, Soldaten und Matrosen auch Zimmerleute, Stuckateure (plasterers) Stein- und Metallarbeiter etc. genannt. Um dieselbe Zeit, oder wohl schon etwas früher, finden sich auch bereits unter den jüdischen Ureinwohnern von Kremsier, die überhaupt vielerlei Handwerke betrieben, Goldschmiede vor.2) In Polen finden sich im 16. Jahrhundert ebenfalls jüdische Goldschmiede vor, wie aus der Verteidigungsschrift ״ad querelam mercatorum Cracoviensium, responsum Judaeorum de mercatura“ hervorgeht, welche die Juden auf die Aufforderung des Königs Sigismund I. von Polen (1505 bis 1548), diesem überreichten; in welcher sie mit statistischen Daten den Nachweis beibrachten, dass es in Polen fast gar keine christlichen Handwerker gab; christliche Kaufleute seien nur 500, während es 3200 jüdische Kaufleute und dreimal so viel, nämlich gegen 10000 jüdische Handwerker gebe. Die von den Juden betriebenen Handwerke werden der Reihe nach aufgeführt: Tuchmacher, Kürschner, Goldschmiede,Schneider,Posamentierer, Zinngiesser, Kupferschmiede, Büchsenmacher, Ringkragenmacher, Gürtler, Messerschmiede, Schlosser, Beutelmacher, Buchbinder, Schatullenmacher, Mützenmacher, Tischler, Schuster, Sattler, Wagner, Riemer, Korduanarbeiter, Weissgerber, Gerber, Bäcker, Fleischer, Bierbrauer, Wirtshäusler, Schmiede, Drucker und Buchhändler. Aehnlich blieben in Polen die Verhältnisse bis in das 19. Jahrhundert hinein, und so konnte bei der Debatte über die Judenfrage im galizisehen Landtag 1868 der Berichterstatter Franz Smolka, der obiges anführte, mit Recht weiter sagen: ״Auch ist es nicht lange her — die Herren, welche in meinem Alter, oder älter sind, werden sich wohl dessen erinnern — dass, besonders auf dem flachen Lande es fast gar keine andere als jüdische Handwerker gab, und wenn man einen Anzug brauchte, ein Czamara, einen Kontusch, einen Pelzrock, einen Pelz oder eine Mütze, Glaserarbeit, Bleehsachen, Schlösser. Uhren, Gold- Schmiedearbeiten und dergleichen, so machte das Alles der Jude, und erst seit kurzer Zeit änderte sich dieser Zustand zu Gunsten der Christen.“3) Trotz dieser Aenderung gab doch der statistische Kalender des Königreichs Polen für das Jahr 1857 die Anzahl der jüdischen Goldschmiede im Königreich Polen, ohne Warschau, immerhin noch auf 533 an. Diese veränderten 1J Mitgeteilt in ״Mexico Viejo“ etc.por Luis Gonzales Obregon. Mexico. 1895. II. S. 333-389. (Nach: Jew. Chr. vom 29. Dec. 1899.) a) Frankl-Grün, Gesch. d. Juden in Kremsier. I. S. 10. 8) Die Debatten über d. Judenfrage i. d. Session d. galiz. Landtags v. J. 1868. Uebers. nach d. amtl. sten. Prot. Lemberg 1868. S. 72.

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