Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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13 Aber auch diese Frage kann unschwer dahin beantwortet werden, dass dieses — wenigstens teilweise — sicher der Fall war. Denn wenn es wohl als eine nur selbstverständliche Thatsache angesehen werden darf, dass man in früherer Zeit im Bedarfsfall zur Anfertigung solchen Gerätes christliche Künstler nur dann herangezogen haben wird, wenn es eben keine jüdischen Künstler gegeben, die hierzu befähigt waren, so ist, wenn das Vorhandensein solcher jüdischer Künstler nachgewiesen werden kann, damit auch gleichzeitig der Beweis erbracht, dass auch die Kultusgeräte — wenigstens teilweise — sicher von Juden verfertigt wurden. Halten wir nun, um zunächst von den goldenen und silbernen Geräten zu sprechen, Umschau nach jüdischen Goldschmieden, so finden wir solche im nachbiblischen Altertum bereits im Talmud erwähnt, der berichtet, dass in der grossen Synagoge von Alexandrien den Gold- und Silberarbeitern, den Webern etc. besondere Plätze angewiesen waren. Im 6. Jahrhundert sehen wir in Nordarabien den jüdischen Stamm Kainukaa die Goldschmiedekunst neben dem Wechselgeschäft betreiben,1) und im 11. Jahrhundert hören wir von jüdischen Goldschmieden im Languedoc, denen der Erzbischof Guifred im Jahre 1042 den ganzen Narbonnensischen Kirchenschatz verkauft.2) Zu Ende des 14. Jahrhunderts werden in Navarra ebenfalls unter den dort Ge: werbe betreibenden Juden Gold- und Silberarbeiter genannt.3) Auch im 15. Jahrhundert dürfte es wohl in Spanien jüdische Goldschmiede gegeben haben, da bei der Vertreibung der Juden von dort (1492) unter den Vertriebenen ״Metallarbeiter aller Art“ angeführt werden.4) Spuren von solchen, von den Vertriebenen aus Spanien und Portugal abstammenden jüdischen Goldschmieden finden wir noch gegen Mitte des 17. Jahrhunderts in Hamburg, denn in einem Aktenstück des dortigen Staatsarchivs vom Jahre 1650 (01VII Lit. H‘ N0.5 Vol. lb ) findet sich die Notiz, dass einer bei den Juden ״die Goldschmiede“ gelernt hat, und das Protokollbuch der dortigen portugiesischen Gemeinde führt unter den Unterstützten auf: (17. Elul 5412) ״die Schwestern des Goldschmieds (orives) Jacob Jezurun“ und (17. Hesvan des gl. Jahres) einen italienischen Goldschmied ״der in Brasilien gewesen ist und nach Posen reist“. Er erhielt 4 Thaler.5) Ebenso werden auch in x) Graetz, Gech. d. Juden. V. S. 84, nach Ibn-Khaldun bei de Perceval: essay sur l’histoire des Arabes. III. 80 2) Jost. Gesch. d. Isr. VI. S. 239, nach: Hist. Gen. de Languedoc p. deux relig. Bened. I. liv. XIV. S. 184. 3) Kayserling, d. Jud. i. Navarra. S. 59, nach Yanguas. Diciou. de Antiguedades de Nav. II. S. 418. 4) Graetz, Gesch. d. Juden. VIII. S. 359. 5) Freundliche Mitteilungen des Herrn Dr. M. Grunwald.