Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Seth And Moab 301 von einem bei Banias am Jordanquell befindliehen Grabdenkmal eines zum Heiligen gewordenen Hundes — der syrische Herkules hat vielfach den Hund zu seinen Füssen (Conder das. 98) —, während die Geliertsage in Indien an ein Ichneumon knüpft, worauf Katze, Wiesel und Hund die Rolle des Retters übernehmen. In der Jewish Encylopedia habe ich die Sage von der Amramskirche s. Tendlau ״Buch der Sagen und Legenden jüdischer Vorzeit“ S. 9—15 mit der von Panzer ״Bairische Sagen“ I 221 erzählten christlichen Sage von der St. Erameranskirche bei Regensburg verglichen und den christlichen Ursprung der Mainzer jüdischen Legende beleuchtet. Auf die Verwandtschaft der Sage von Rabbi Juda ha-Chasid und dem Abtrünnigen, dem das grünende Reis Zeichen himmlischer Gnade wird, Tendlau daselbst S. 281) mit der Sage vom Tannhäuser und Pabst Urban hat Sepp Altbairischer Sagenschatz S. 593 aufmerksam gemacht. Zweck dieser flüchtig hingeworfenen Beobachtungen kann es nicht sein, das grosse Thema der Sagen-Wanderung zu erschöpfen. Dazu gehört eine lebenslange Forschung und ein weiter historischer Gesichtskreis. Allein die Anregung dazu sollten diese Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde geben. Besonders sind es die Jüdischen Volksbräuche, die der wissenschaftlichen Beleuchtung bedürfen, weil sie in den meisten Fällen volkstümlich gedeutet und das will sagen von falschen Gesichtspunkten aus erklärt werden. Ich will hier nicht auf die verschiedenen Trauer- und Hochzeitsbräuche eingehen, zu deren Verständnis langjährige ethnologische Studien im Style, wenn auch nicht nach der Methode, Bastians nötig sind. Gar viele jüdische Festbräuche erklären sich nur durch vergleichende Religionsstudien, für welche seitens jüdischer Forscher — mit Ausnahme von M. Brueck und von gelegentlichen Notizen von Perles und Guedemann — noch gar nichts geleistet worden ist. Wo z. B. ist der Ursprung von Tekufah-Tropfen zu suchen? Brueck ״Rabbinische Ceremonialbräuche1837 ״ S. 40—48 erinnert an die blutige Röte des Adonisflusses, die dem Blut des Adonis entstammen soll. Er hätte auf die Erzählung von Abba Gose aus Zaithor in Wayikra Rabba XXIV hinweisen können, wo ein böser Geist, mit Eisen- Stäben geschlagen, das Wasser des Baches mit Blut färbt. — Sollte nicht der zur Sommersonnenwende am 17. Juni fallende Tropfen, der den Nilstrom schwängert, (Klunzinger a. a. O. 131 und 181) als Parallele hierhergezogen werden? Es ist ״die Thräne der Gö'ttin Isis“, und ״die Nacht des Tropfens“ ist ein allgemein gefeiertes Volksfest. Die Kabbala, die den Tekufah-Tropfen betont,