Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Tylor, Primitive Culture I 97—104. Weit interessanter und kaum gekannt ist die Sage vom Moses-Fisch. Als ich vor 28 Jahren in Altona beim seligen Ettlinger studierte, da wurde einmal bei Tisch ein Fisch aufgetragen (eine Scholle), dessen unterer Teil hell, flach und weich ist. während der obere dunkel und mit Schuppen bedeckt ist, und der seltsame Name Mosche-Rabbenu- Fisch, mit dem er benannt wurde, mir auf mein Befragen damit erklärt, dass man sich erzählt, dass, als Moses das Rote Meer mit seinem Stab gespalten, er diesen Fisch traf, so dass er seitdem wie ein in der Mitte durchgeschnittener Fisch sieh erhalten hat. Klunzinger, Bilder aus Oberägypten etc., 1877, S. 394 erzählt: Moses wollte einst einen Fisch backen. Als dieser auf einer Seite braun gebacken war, ging das Feuer aus, und Moses warf den Fisch erzürnt ins Meer, wo dieser in dem halbseitig gebackenen Zustand fortlebt bis zum heutigen Tag, auf der einen Seite weiss, auf der anderen gefärbt. Kazwini in seiner Kosmographie, aus dem Arabischen übersetzt von Ethe, 1868, S. 258 erzählt von einem Fisch des Moses und Josua, dessen eine Hälfte Moses und Josua gebraten und gegessen, dessen andere Hälfte Gott wieder belebt habe, in welchem Zustand er nun im Meere fortlebt. Ralston in Russian Folkstales S. 334 New-Yorker Ausgäbe erzählt, dass nach einer alten heidnischen Lettensage die Königin des Baltischen Meeres die Hälfte des Fisches gegessen und die andere ins Meer geworfen, worauf der Schollenfisch diese Gestalt angenommen hätte. Eine jüngere christliche Legende lässt die Jungfrau Maria die eine Hälfte des Fisches verzehren und die andere ins Wasser werfen mit dem Bemerken, dass sie der ״Engelsbotschaft von ihrer Empfängnis so wenig Glauben schenken könne, als dieser halbe Fisch je wieder lebendig werde, und sieh’ da, der halbe Fisch wurde lebendig!“ Hier ist aus dem Mosesfisch ein christlicher Jesusfiseh geworden. Es würde zuweit führen, wollte ich den Zusammenhang zwischen der jüdischen Sage vom Juwel im Magen des Fisches des Sabbatverehrers (Sabbatll9a) oder Sühntags Verehrers Bereschit Rabba XI und dem Schekel im Fisch des Apostels Petrus in Matthaeus XVII 27 durch Vergleichungen mit der Sakuntala-, der Polycrates- und der Salomosage vom Ring im Munde des Fisch es beleuchten. Genug, Personen und Scenen wechseln, das Motiv oder der Kern der Sage bleibt. Wer, zum weiteren Beispiel, vermutet in der Pesikta de Rab Kahana ed-Buber 79b und Jeruschalmi Theruma VIII 7 erzählten Geschichte vom treuen Hunde, dem ein Denkmal gesetzt worden ob seiner Selbstaufopferung, die ältere Version der in celtischdeutschen Sagen wiederkehrenden Sage vom treuen Hunde Geliert wiederzufinden? Seltsamerweise aber berichtet uns Conder in seinem