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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 1 (1902) Heft IX · p. Seite 9

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
1 (1902) Heft IX
Date
1902-01-01
Page
Seite 9 (sequence 14)
Language
German
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9 kann die Königinn ihr Kind erst dann aus der Macht des Bösen befreien, wenn sie dessen Namen erfährt. Aehnliches findet sich in vielen Märchen und Sagen anderer Völker. Deshalb wurde auch der wahre Name der Stadt Rom, wie der Noa’s, geheim gehalten und nicht einmal bei heiligen Hand- Iungen ausgesprochen. Der Volkstribun Valerius Soranus, der es gewagt hatte, ihn auszusprechen, wurde auf Befehl des Senats gekreuzigt1). So sind wir von den jüdischen Vornamen ausgehend bis zum alten Feinde des Judentums gelangt, aber das Thema ist damit nicht erschöpft. Wie Grüderaann sehr richtig sagt, haben die jüdischen Vornamen ihre sehr interessante Geschichte, die noch geschrieben werden soll2). Als kleiner Beitrag dazu möge Vorstehendes dienen. Wien, Ende Juli 1901. Dr. Marcus Landau. Zur Beleuchtung jüdischer Sagen und Bräuche. Das Wort Symbol leitet bekanntlich seinen Ursprung von der (wahrscheinlich phönizischemKaufmannsbrauch entstammenden) Sitte her, dass zwei Freunde beim Scheiden einen Reif entzweibrechen und die Stücke als Zeichen der Freundschaft mit sich tragen, so dass, wenn sie wieder Zusammenkommen, sie die beiden Stücke wieder ineinanderfügen — ׳7׳jp.ßaW.sw — und so ihre Zusammengehörigkeit bezeugen können. Wer volkstümliche Sagen und Bräuche je zu seinem Studium gemacht hat, der findet in ihnen das Symbol der Zusammengehörigkeit und Einheit der weitauseinanderliegenden Menschenstämme. Der entlegenste Winkel der Erde weist einen Brauch auf, der einen ähnlichen, Unverstandlieh gewordenen in nächster Nähe aufklärt und beleuchtet. Um nicht bekanntes zu wiederholen, übergehe ich, was bereits über die Sagen und Bräuche, die sich ans Niesen knüpfen, geschrieben worden und verweise ich auf Tendlau, Sprichwörter und Redensarten deutschjüdischer Vorzeit, S. 142 unter Asusse und E. B. ’) Servius, Kommentar zu Aeneis I 273—77. ־) A. a. 0. III 105.

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