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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 1 (1902) Heft IX · p. Seite 8

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
1 (1902) Heft IX
Date
1902-01-01
Page
Seite 8 (sequence 13)
Language
German
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8 vorzugsweise aus den Büchern des Alten Bundes geistige Nahrung sogen. Der Heldengeist, der unter ihnen aufflammte, etwas wie Makkabäerglut, empfängt dadurch Licht.“ Wie bereits erwähnt wurde, führen jetzt viele Juden zwei Namen: einen nationaljüdischen, gewissermassen religiösen oder synagogalen und einen sogenannten deutschen für den Alltagsgebrauch. Aber auch der am achten Tage nach der Geburt gegebene jüdische wird nicht immer behalten. Und diese Sitte der Namensänderung kommt nicht bei Juden allein vor. Auch der Japanese vertauscht, wenn er Mann geworden, seinen kindlichen Namen mit einem andern und bekommt nach dem Tode einen dritten Namen. Auch der zum Papst Gewählte nimmt, seit dem zehnten Jahrhundert, einen andern Namen an. Es soll dies, wie man annimmt, seine Loslösung von seinen frühem Beziehungen und Verhältnissen symbolisieren. Aber den Nepotismus hat die Namensänderung nicht verhindert, und ein wenig Aberglauben steckt wohl auch dahinter. Aberglauben liegt auch dem Gebrauche, kranken Kindern einen andern Namen zu geben, zu Grunde. Schon Rabbi Jizchak sagte1): ״Vier Dinge können das dem Menschen bestimmte Unheil abwenden, nämlich: Wohlthun, Gebet, Aenderung des Lebenswandeis und Aenderung des Namens.“ — Den Kranken giebt man gewöhnlich Leben oder Heilung bedeutende Namen, wie Chajim, Joseph, Raphael. Aber dieser Aberglaube ist kein speziell jüdischer, sondern ein alter und weit verbreiteter. Man findet ihn bei Guinea- Negern, Dajaks, Mongolen, Kamtschadalen, Siamesen u. s. w.2). Es liegt da wohl die Anschauung zu Grunde, dass der Dämon oder Todesengel irregeführt werden soll. Man giebt ihm gewissermassen eine falsche Adresse an, so dass er den Kranken nicht auffinden kann. Andererseits glaubte man auch, man könne dem Menschen nicht schaden, den bösen Geist nicht besiegen, wenn man seinen wirklichen geheim gehaltenen Namen nicht wisse. So sagt der Midrasch Abchir zu Genesis V 28, Methuschelach, der ein grosser Weiser war, habe seinem Sohne Lemach geraten, den Namen des Neugeborenen (Noah) nicht zu verlautbaren, damit er nicht durch Zauberei getötet würde“ 3). Und auch das ist nicht speziell jüdisch. Im deutschen Märchen von Rumpelstilzchen (bei Grimm K. u. H. M. No. 55) ג) Talmud bab. Rosch-ha-Schana 16 2. 2) Richard Andree, Zur Volkskunde der Juden, Bielefeld und Leipzig 1881, S. 181. Siehe auch Grünbaum in Ztscht. der Deutschen Morgenl. Ges. Bd 31, S. 2916. 3) Güdemann, Die superstitiöse Bedeutung des Eigennamens im vormosaischen Israel S. 11.

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