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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 1 (1902) Heft IX · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
1 (1902) Heft IX
Date
1902-01-01
Page
Seite 4 (sequence 9)
Language
German
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4 und Magier Apollonius von Tyana, der zur Zeit Nero’s und der Flavier lebte, seine Landsleute, dass sie ״barbarische“ römische Namen, wie Lucullus und Fabricius, sich angeeignet hatten. Aber auch bei den Juden fand die Unsitte der fremden Namen früh ihre Tadler. So sagte R. Huna im Namen von R. Bar Kapra: ״Zur Belohnung für fünf Tugenden wurden die Juden aus Aegypten befreit.“ Eine davon war: ״Sie änderten ihre Namen nicht; als Reuben und Schimeon kamen sie nach Aegypten, als Reuben und Schimeon verliessen sie es, Jehuda nannte sich nicht Rufus, Reuben nicht Julianus, Benjamin nicht Alexander, Joseph nicht Justus.“1) Ob der Name Alexander von den Juden aus Dankbarkeit für den grossen Macedonier angenommen wurde, wollen wir dahingestellt sein lassen. Er ist jedenfalls der einzige griechische, der auch in der Synagoge gebraucht wird [Phöbus sieht man in פייבש. D. Red.], während als dessen ״deutsches“ Aequivalent gewöhnlieh Süsskind gilt. Mancher noch deutschere Jude macht daraus vielleicht Siegfried. Damit habe ich auch das eigentliche Feld meiner Arbeit betreten, auf dem ich von Mardoehai bis zu dem allermodernsten Kohn, der sich Clermont oder Kulmer nennt, zu gelangen hoffe. Wir werden auf dem Wege neben vielen Juden, die ihren Namen aus Nachahmungssucht oder Aberglauben änderten, auch viele Heiden und Christen finden, welche sich jüdische, biblische Namen zulegten. Namenstausch und Namensänderung gehen ununterbrochen bei allen Völkern, oft der Mode folgend, vor sich, sie sind bei den Jud6n umso häufiger, als sie mit sehr vielen Völkern in Berührung kamen. Trotz alles Eiferns der Frommen und Konservativen hörten sie nicht auf, fremde Namen anzunehmen. So finden wir bei den zumeist aus dem dritten Jahrhundert stammenden griechischen Grabschriften der Juden von Hierapolis in Kleinasien fast nur römische und griechische Namen, wie: Publius Aelius Glykon, Marcus Aurelius Alexander, Glykonianos Apros, Zeleukus, Aurelia, aber keine hebräische. Nur bei Marcus Aurelius findet sich der Zusatz ״genannt Asaph“. Ueberhaupt ersieht man aus diesen Grabschriften, dass sich die hierapolitaner Juden schon stark ״assimiliert“ hatten.2) Auf den antiken Cömeterien der Juden in Rom und Unter- Italien sind die Grabschriften meistens griechisch, selten lateinisch, *) Midrasch Eabb. zu Leviticus 32, wohl auf einer Tahnudstelle beruhend, die ich nicht finden konnte [S. darüber Berliner in d. Jüd. Presse' 1874 S. 138. Bambürger, Realencyclop. II 835. D. Red.] י) VergL: Altertümer von Hierapolis, herausgegeben von Humann, Cichorius, Judeich und Winter. Viertes Ergänzungsheffc zum Jahrbuch des. kais. deutschen archäologischen Instituts, Berlin 1898.

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