Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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3 fehl ein Buchstabe eingeschoben oder geändert — aus Abram wird Abraham, aus Sarai Sarah oder die Person bekommt einen ganz anderen Namen: aus Mattanjah wird Zidkijahu (II Kön. XXIV 17), aus Eljakim wird Jehojakim (ib. XXIII 34). Auf Befehl eines fremden Monarchen wird dem Könige des seinem Untergange zueilenden Reiches Juda ein anderer, aber noch immer hebräischer Name gegeben. Eine Erklärung hiefür weiss ich nicht. Die Umwandlung des Namens Jakob in Jisrael erklärt wohl die Bibel, aber sie nennt ihn auch später nur Jakob. Ebenso nennt sie Joseph stets mit seinem ursprünglichen Namen und nicht mit dem ihm von Pharaoh verliehenen ägyptischen Zafnat-Paneach. Dagegen wird die Ziehtochter Mardechai’s nur einmal (Esther II 7) mit ihrem jüdischen Namen Hadassah, dann aber stets Esther genannt. Mardechai selbst heisst nach dem von Nebuchadnezar besonders hochverehrten babylonischen Gotte Merodach, den der Prophet Jeremias (L 2) gleich Bel und den andern Götzen der Vernichtung weiht, sowie hinter Esther die babylonische Göttin Istar steckt. Bei Mardochai, nach dem sich jetzt so viel Juden nennen, erfahren wir nicht einmal den jüdisehen Namen. Der Talmud erklärt ihn als ״feines Gewürz“, Dagegen scheint R. Nehemia eine Ahnung vom wahren Sachverhalt gehabt zu haben; denn er sagt (Talm. bab. Megilah 13a): ״Sie hiess Hadassah, wurde aber von den heidnischen Völkern auch Istahar genannt.“ Ausser dem Mardochai brachten die Juden, wie aus dem Buche Nehemia zu ersehen ist, auch andere babylonische Namen aus dem Exil mit und im Talmud finden wir die sonderbaren Namen Puppa, Hinna, Ascha u. dergl. neben manchen griechisch oder römisch klingenden. Ich habe bereits Aristobul erwähnt. Ausserdem finden wir als Judennamen noch Herodes, Antipater, Dositheus, Jason, Lysimachus, Apella, Crispus, Justus, Drusus, Antigonos, Berenike, Drusilla usw., ja sogar einen Hohenpriester Menelaus.1) Dass Juden sich Titus nannten, erscheint kaum glaublich. Der in Talmud Jerus. (Berachoth III 4 und Terumoth VIII 3) erwähnte Titus, Vater des R. Juda und des R. Chija, wird wohl vor der Zerstörung Jerusalems geboren worden oder Proselyt gewesen sein. Begreiflicher ist es, dass Juden den Namen des semitischen Römerfeindes Hannibal annahmen2) und dass dagegen der italienische Dichter Leopardi zwei Jahrtausende später seine Landsleute tadelte, weil sie ihre Kinder mitunter nach dem grossen Karthager nannten.3) Ebenso tadelte der griechische Philosoph Josephus Arch. XII 97. 2) ib. XX V. 3) Paralipomeni della Batracomiomacbia, Canto I.